Adventsbräuche: 24 Traditionen und ihre Bedeutung

Warum stellen wir einen Nikolausstiefel vor die Tür, zünden Kerzen am Adventskranz an und hängen Misteln auf? Viele Adventsbräuche haben eine lange Geschichte und verbinden christliche Traditionen mit älteren Vorstellungen vom Jahreskreis, vom Licht und von der Rückkehr der Sonne. Entdecke die Bedeutung hinter bekannten und weniger bekannten Bräuchen und Symbolen der Adventszeit.

24 Adventsbräuche und ihre Bedeutung

Inhaltsverzeichnis

Adventsbräuche vom Kathreinstag bis Weihnachten

25. November: Warum mit Katharina die Adventszeit beginnt

Mit dem Kathreinstag beginnt die vierwöchige Adventszeit. Katharina ist eine der 14 Nothelfer im Christentum und eine von den „drei heiligen Madln“, zusammen mit der Heiligen Barbara und der Heiligen Margaretha. Katharina wird oft mit einem Rad dargestellt, was auf das Martyrium der Heiligen verweist: Sie wurde um 300 n. Chr. In Alexandrien gerädert, doch weil das Rad dabei entzwei brach, enthauptete man sie anschließend. Das Symbol des Rades hat noch eine ältere Tradition: als das Lebensrad oder als das Spinnrad, mit dem die drei Nornen (Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie) den Lebensfaden spannen.

„Kathrein stellt den Tanz ein“, lautet ein Sprichwort im deutschsprachigen Raum, das mich zu der Abbildung des Kathreinstages im Adventskalender inspiriert hat. Es bedeutet, dass nach dem Kathreinstag die stille, besinnliche Zeit – ursprünglich eine Fastenzeit – beginnt, die bis Weihnachten dauert. Die Zeitspanne von vier Wochen für die Adventszeit könnte sich auf einen Mondphasenzyklus beziehen: er war in der Vergangenheit ein wichtiges Zeitmaß.

30. November: Der Heilige Andreas und das Liebesorakel der Andreasnacht

Der Legende nach soll an diesem Tag der Heilige Andreas, einer der zwölf Apostel Jesu gestorben sein. Er ist nicht nur Patron der Fischer, sondern auch Schutzheiliger aller Liebenden und Ehepaare. Deshalb gilt die Andreasnacht als eine von mehreren Losnächten im Jahr, wie auch Weihnachten oder Silvester. In der Andreasnacht kann man laut Volkstradition einen künftigen Partner an sich binden oder herausfinden, wer dieser sein wird. In unserem Adventskalender symbolisieren das die beiden Hände und die Mistel (siehe weiter unten). Außerdem existieren verschiedene Bräuche zur Adreasnacht, von denen die Brüder Grimm in ihren „Deutschen Sagen“ eine festgehalten haben:

„Es ist Glaube, dass ein Mädchen in der Andreas-Nacht, Thomas-Nacht, Christ-Nacht und Neujahrsnacht seinen zukünftigen Liebsten einladen und sehen kann. Es muss einen Tisch für zwei decken, es dürfen aber keine Gabeln dabei sein. Was der Liebhaber beim Weggehen zurücklässt, muss sorgfältig aufgehoben werden, er kommt dann zu derjenigen, die es besitzt und liebt sie heftig. Es darf ihm aber nie wieder zu Gesicht kommen, weil er sonst der Qual gedenkt, die er in jener Nacht von übermenschlicher Gewalt gelitten und er des Zaubers sich bewusst wird, wodurch großes Unglück entsteht.“

Ein anderer Brauch ist das Pantoffelwerfen, bei dem ein unverheiratetes Mädchen seinen linken Pantoffel über die Schulter zur Tür wirft. Wenn der Pantoffel mit der Spitze zur Tür fällt, bedeutet das, dass es noch im selben Jahr heiraten wird.

4. Dezember: Barbarazweige und die Hoffnung auf neues Leben

In unserem Adventskalender findest du hinter dem Türchen des 4. Dezember einen blühenden Obstbaum-Zweig, den Barbarazweig. Auch die Heilige Barbara gehört zu den „drei heiligen Madln“: Sie lebte um 300 nach Christus und verweigerte sich der Heirat, die ihr Vater für sie eingefädelt hatte. Deshalb enthauptete sie der Vater eigenhändig. Davor blieb sie auf dem Weg zum Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig hängen, den sie in ein Gefäß mit Wasser stellte. Er blühte an dem Tag auf, an dem sie enthauptet wurde. Deshalb werden noch heute am 4. Dezember Zweige von Obstbäumen abgeschnitten und ins Wasser gestellt, damit sie anschließend bis Weihnachten aufblühen. Die Blüte zum Beginn des Winters ist aber auch ein vorchristliches Zeichen für die Hoffnung auf das wieder erwachende
Leben im kommenden Jahr. Ebenfalls damit verknüpft ist der heidnische Brauch der Lebensrute: Germanische Bauern brachen zu Winterbeginn frische Zweige von den Bäumen und trieben damit das Vieh zurück in die Ställe. Anschließend banden sie die Zweige im Stall fest, um böse Geister und Raubtiere fernzuhalten.

5. und 6. Dezember: Nikolaus, Krampus und die Perchten

Der Nikolaustag geht auf den gleichnamigen Bischof von Myra zurück, der im 4. Jahrhundert lebte und den Armen heimlich Goldmünzen schenkte. Heute bringt der meist rot gewandete Nikolaus den Kindern Äpfel, Nüsse und Geschenke, lobt und tadelt sie für ihre Taten im zuende gehenden Jahr.

Krampus:

Nikolaus' Begleiter sind ein weißer Engel und der dunkle, wilde Krampus – auch Knecht Ruprecht genannt. In vorchristlicher Zeit war der Krampus ein winterlicher Dämon. Sein Name leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „Krampen“ ab‚ womit etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes oder Verdorrtes gemeint ist. 

Weiße Percht:

 In vorchristlicher Zeit war der Engel die weiße Percht (eine alpine Sagengestalt). Zusammen mit dem Nikolaus bilden Krampus und Percht eine ähnliche Gruppe wie die weibliche Dreiheit vom weißen unschuldigen Mädchen, roter fruchtbarer Frau und der schwarzen weisen Alten.

8. Dezember: Mariä Empfängnis und neues Leben in der Erde

Anna, die Mutter der Heiligen Maria und in anderen Religionen die Ur-Göttin des neuen Jahres, hat der Legende nach an Mariä Empfängnis ihre Tochter empfangen. Im Jahreskreis ist das die Zeit, wenn das Samenkorn in der fruchtbaren Erde ruht und für das künftige Leben bereit ist. Im Adventskalender wird diese Tradition durch eine eine keimende Eichel symbolisiert.

13. Dezember: Heilige Luzia – die Lichtbringerin

Die zweigesichtige Gestalt der Luzia, die du hinter den Türchen rund um den 13. Dezember im Adventskalender findest, gilt als weibliches Pendant zum Nikolaus. Je nach Region ist sie mal eine jugendliche Lichtbringerin, mal eine strenge Alte, welche die Braven mit Äpfeln und Nüssen belohnt und die Faulen straft. Diesen Gegenpolen begegnen wir häufig in der Adventszeit: Heilige und Dämonen, karge Natur und süße Leckereien, weißer Schnee und dunkle Nacht. Die Heilige Lucia lebte im 3. Jahrhundert auf Sizilien und brachte den Armen und Kranken sowie den verfolgten Christen heimlich Essen. Ihr Name bedeutet „die Leuchtende“ oder „Lichtträgerin“: Luzia bringt also auch das Sonnenlicht zurück. Durch kalendarische Verschiebungen war der 13. Dezember einst der Tag der Wintersonnwende, weshalb in manchen Traditionen die Rauhnächte bereits an diesem Datum und nicht erst mit dem 21. Dezember beginnen.

21. Dezember: Heiliger Thomas und die Wintersonnwende

Der „Ungläubige Thomas“ war einer der Jünger Jesu und glaubte dessen Auferstehung erst, als er dessen Wundmale wirklich berührt hatte. Eine Legende, die im Naturgeschehen eine Parallele hat: Ab dem 21. Dezember konnten die Menschen mit eigenen Augen sehen, dass die Sonne tatsächlich in ihrer täglichen Abwärtsbewegung innehielt – um ab dem 25. Dezember auf ihrem Himmelsweg schließlich wieder anzusteigen bzw. aufzuerstehen. Die Wintersonnwende – kürzester Tag und längste Nacht im Jahr – wird mit Sonnwendfeuern gefeiert und ist in vielen Traditionen der Beginn der Rauhnächte.

24. Dezember: Heilige Nacht und Weihnachten

Im römischen Kalender fiel die Wintersonnwende auf den 24. Dezember. Vermutlich deshalb wurde dieser Tag zu Christi Geburt erklärt und damit zu einem der wichtigsten Christenfeste. Seit der gregorianischen Kalender-Reform im 16. Jahrhundert fällt die Wintersonnwende immer auf den 21./22. Dezember. Zwei bis drei Tage lang zieht die Sonne anschließend auf ihrer tiefsten Bahn über den Himmel. Die erste minimale Aufwärtsbewegung ist am 25. Dezember erkennbar, dem Beginn unseres Rauhnachtskalenders.

  • Der Adventskalender zum Nikolaustag
    Der Adventskalender zum Nikolaustag
  • Am 4. Dezember ist der Adventskalender bereits zu einem Drittel geöffnet, da er schon am
    Am 4. Dezember ist der Adventskalender bereits zu einem Drittel geöffnet, da er schon am Kathreinstag beginnt.
  • Adventskalender am 13. Dezember zum Tag der Hl. Luzia
    Adventskalender am 13. Dezember zum Tag der Hl. Luzia
  • Die Adventsbräuche und Weihnachtssymbole in der Adventskalender Karte von SONNe MOND und ERDE
    Die Adventsbräuche und Weihnachtssymbole in der Adventskalender Karte von SONNe MOND und ERDE

Adventssymbole und ihre Bedeutung

Adventskranz: Warum vier Kerzen das Warten auf Weihnachten begleiten

Der Kreis des Adventskranzes steht für das Rad des Lebens, das Nadelgrün für das Leben selbst im Winter; und das Feuerrot beschwört die Rückkehr des Sonnenfeuers zur Wintersonnwende. Die vier Kerzen unterstützen unsere Auslegung des Adventskalenders: Die Adventszeit dauert vier Wochen lang und beginnt mit dem Kathreinstag.

Äpfel und Nüsse: Winterliche Nahrung mit symbolischer Bedeutung

Sie waren wertvolle Nahrung im Winter und zugleich lag in ihnen der Samen für neues Leben. Aber nicht nur zum Essen wurden sie verwendet, sondern auch als Baumschmuck. Der Apfel spielt in vielen Legenden eine zentrale Rolle, so zum Beispiel bei Adam und Eva als Frucht des verbotenen Baumes, und in der griechischen Mythologie war er sowohl der Zankapfel, der zum Ausbruch des Trojanischen Krieges führte, als auch die Frucht, deren Genuss den Göttern ewige Jugend und Schönheit bescherte. Nüsse haben in vielen Märchen eine Zauber-Funktion.

Christrose: Ein Symbol für Hoffnung und neues Leben

Die zart rosafarbene Blüte der Christrose ist das Symbol für Hoffnung, Reinheit und Unschuld, insbesondere in der dunklen Jahreszeit. Im christlichen Kontext steht sie für die Geburt Jesu und das göttliche Licht. Ihre Fähigkeit, auch im Winter zu blühen, macht sie zu einem Zeichen für Durchhaltevermögen, Überlebenswillen und Neubeginn.

Glocken: Warum sie Wendepunkte im Jahreskreis verkünden

Mit Glockenläuten werden wichtige Wendepunkte sowohl im Jahreskreis als auch im gesellschaftlichen Leben feierlich verkündet, so zum Beispiel die Friedensglocke, das Totenglöckchen oder auch das Einläuten des neuen Jahres. Einst waren die Menschen auf diese Art der Kommunikation angewiesen, da damals nur die wenigsten lesen konnten und es so etwas wie Zeitungen noch nicht gab.

Hirsch: Warum er mit der Rückkehr der Sonne verbunden ist

In der keltisch-germanischen Mythologie war es der Hirsch, der die Sonne zwischen seinen Geweihspitzen wieder aus der Unterwelt empor hob. Somit macht nicht erst das Rentier des Weihnachtsmannes den König des Waldes in der Weihnachtsdeko unverzichtbar.

Lebkuchen: Vom Opfergebäck zum Weihnachtssymbol

Ihre Symbolik hat sich über die Jahrhunderte gewandelt – von einem urzeitlichen Fruchtbarkeits- und Opfergebäck (Ägypten) über ein königliches und klösterliches Luxusgut mit medizinischer Funktion (Mittelalter) bis hin zu einem modernen Symbol für Weihnachtsfreude. 

Misteln: Warum sie für Glück und Liebe stehen

Die immergrüne Pflanze trägt auch im Winter Früchte und wurde von den keltischen Druiden zu Winterbeginn unter anderem zu Heilzwecken geerntet. Das Küssen unter dem Mistelzweig ist ein Weihnachtsbrauch, der Glück und Liebe verheißt.

Mondholz: Holzernte im Rhythmus von Mond und Jahreszeit

Für die Holzknechte ist die Wintersonnwende – der kürzeste Tag im Jahr – das zentrale Datum, denn von jetzt an bis zum folgenden Neumond wird das wertvolle Mondholz geerntet.

Ochs und Esel: Warum gehören sie zur Weihnachtskrippe?

Eine Weihnachtskrippe ohne diese beiden Tiere wäre unvollständig, aber warum? Im Christentum symbolisiert der Ochse das jüdische Volk, der Esel die Heiden. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit stehen beide friedlich vereint an der Krippe und spenden dem Neugeborenen mit ihrem Atem die dringend nötige Wärme. Ochs und Esel waren damals unverzichtbare Helfer in der Landwirtschaft.

Rauhnächte und Räuchern: Ein alter Brauch zur Winterzeit

Das Räuchern riecht nicht nur gut. Es hilft auch, Lebensmittel zu konservieren oder die Luft zu desinfizieren, oder um die Atmosphäre in einem Raum zum Positiven zu verändern. Im Winter, wenn man sich viel drinnen aufhält, ist Räuchern sehr viel verbreiteter als im Sommer.

Sonnwendfeuer: Warum wir die Rückkehr des Sonnenlichts feiern

Mit dem Sonnwendfeier beginnt der Winter – und zugleich feiert man am kürzesten Tag im Jahr die bevorstehende Rückkehr des Sonnenlichts. Einst dienten solche Feuer – gerade in Bergregionen – auch zur Übermittlung von Botschaften. Somit hat das Sonnwendfeuer auch eine Kalender-Funktion: Wenn es brannte, wussten die Menschen in der Region, dass nun die neue Jahreszeit anbrach.

Stechpalme: Zeichen für Schutz, Hoffnung und ewiges Leben

Die immergrüne Pflanze symbolisiert in vielen Kulturen ewiges Leben, Schutz und Hoffnung, was sie zu einem wichtigen Weihnachtssymbol macht.

Stern von Bethlehem: Welche Himmelserscheinung könnte dahinterstecken?

Eine Himmelserscheinung, der die drei Weisen des Morgenlandes (sie waren nicht unbedingt Könige, aber mit Sicherheit gelehrte Sterndeuter) bis zur Krippe des neugeborenen Jesus folgten: Manche Historiker sehen darin einen Kometen, andere die hell strahlende Planetenkonjunktion von Jupiter, Saturn und Venus vor 2000 Jahren. Und für manche ist der Stern von Bethlehem schlichtweg ein Symbol für die Rückkehr der Sonne nach der Wintersonnwende.

Weihnachtsstern: Die Pflanze mit dem Stern von Bethlehem

Die Wuchsform der feuerroten Blüte erinnert an einen Stern, weshalb die zu Weihnachten blühende Pflanze den Stern von Bethlehem symbolisiert. Die roten Hochblätter stehen dabei für das Blut Christi und die weißen Varianten repräsentieren Reinheit und Unschuld.