Woher die alten Monatsnamen stammen

Der Januar hieß Hartung, der Februar war der Hornung, zum März sagte man Lenzmond ... überhaupt richteten sich die alten Monatsnamen nicht nur nach dem Naturgeschehen, sondern hatten den Mond prominent in ihrer Bezeichnung. Das kommt daher, dass die Monate einst tatsächlich an den Mondphasenzyklus gekoppelt waren: ein Zeitmaß, das für alle ganz einfach vom Himmel abzulesen war. Welcher Monat welchen Namen trug und warum, das erfährst du im folgenden Text.

Alte Monatsnamen

Januar: Hartung

Benannt ist der Januar nach dem römischen Gott mit zwei Gesichtern, dem Janus. Eines seiner Gesichter blickt zurück in die Vergangenheit, das andere nach vorne in die Zukunft. Der Gott des Anfangs und des Endes, der Türen und Tore bewachte den Wechsel der Zeit nach der Wintersonnwende. Die Eiseskälte des beginnenden Winters gab der deutschen Variante ihren Namen, der sich von der hart gefrorenen Erde ableitet. In anderen Quellen heißt dieser Monat auch Eismond oder Schneemond.

Februar: Hornung, Hungermond

Der Hornung steht unter einem närrischen Stern. Nicht nur, weil der Winter dann allerorten mit viel Lärm und Schabernack vertrieben wird. Auch mit seiner Anzahl an Tagen ist der Februar ein Ausreißer: mal 28, mal 29, aber auf keinen Fall so wie die anderen Monate. Ob er deswegen den Namen Hornung erhielt, der übersetzt aus dem Altdeutschen „Bastard“, uneheliches Kind bedeutet? Oder doch eher von den Rothirschen, die in dieser Jahreszeit ihr Gehörn abzuwerfen beginnen? Der lateinische Name leitet sich ab von „februare“, das soviel wie Reinigungsopfer bedeutet. Bei dem gleichnamigen Sühne- und Reinigungsfest im Römischen Reich wurden junge Frauen rituell ausgepeitscht, um sie vor Unfruchtbarkeit zu bewahren. Auch das keltische Mondfest Imbolc war ursprünglich ein Reinigungsfest. Der Name stammt vom altirischen „imb-folc“, was Rundum-Waschung bedeutet. „Hungermond“, eine ebenfalls weit verbreitete Bezeichnung für den Februar, resultiert aus den zur Neige gehenden Winter-Vorräten, deren Haltbarkeitsdatum nun außerdem abläuft: gezwungenermaßen herrscht in der Natur im Februar Fastenzeit.

März: Lenzmond

Mit dem Lenzmond im März beginnt der Frühling, genauer gesagt zur Tagundnachtgleiche um den 21. März herum. Lenz leitet sich ab aus dem althochdeutschen „lenzo“ oder „lengzo“, was soviel wie „länger werdende Tage“ und damit Frühling bedeutet. Bei den Römern, von denen unsere lateinischen Monatsnamen stammen, hieß dieser Monat Martius und war nach dem Kriegsgott Mars benannt. Das hatte seinen Grund darin, dass dann die Saison der Feldzüge begann und sich alle waffenfähigen römischen Bürger auf dem so genannten Marsfeld vor den Toren der Stadt zu versammeln hatten, um gemustert zu werden und ihre Feldherrn zu wählen. Der März war nach der römischen Zählung der erste Monat im Jahr. Die beiden Konsuln, nach denen das jeweilige Jahr benannt wurde, traten dann ihren Dienst an – zumindest bis 153 vor Christus galt diese Regel. Dann wurde ihr Amtsantritt aus militärischen Gründen auf den 1. Januar vorverlegt und damit auch der Jahresbeginn nach vorne verschoben.

April: Ostermond

Den Namen „Ostern“ trägt das christliche Auferstehungsfest erst seit dem Mittelalter, abgeleitet von der Frühlingsgöttin „Ostara“ (von der niemand so genau weiß, ob tatsächlich eine Göttin dieses Namens angebetet wurde) und „Eostre“, dem angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin der Morgenröte. Gemäß der alten Sprach- und Lautgeschichte, die auch mit der Runensprache verbunden ist, bedeutet „Os“ Mund, Schoß, Erde, Geburt oder Entstehung. Und „tar“ bedeutet zeugen. Auch Osten kommt von dieser ersten Silbe. Im Osten geht die Sonne auf, dort wird sie geboren. Im Frühling steigt ihre Bahn stetig an und bringt uns eine immer längere Tageslichtdauer. Das Osterfest wird nach dem ersten Frühlings-Vollmond gefeiert und findet demnach frühestens Ende März statt, öfter aber im April.

Mai: Wonnemond

Der Namen des Wonnemonats leitet sich ab von „wunni“, was soviel wie Freude und Lust bedeutet, und „wunne“ , dem Weide- oder auch Lustplatz. Der Mai als Wonnemonat bringt nicht nur einen Überfluss an bunten Blumen, warmen Tagen und viel Sonnenschein. Er ist auch der Monat, in dem das Vieh einst auf die Weide getrieben wurde. Seinen römischen Namen hat der Monat angeblich von der Göttin Maja bekommen, der Ehegattin des Vulcanos, die in manchen Quellen auch als eine der Plejaden genannt wird (vor gut 2000 Jahren zog die Sonne um diese Jahreszeit vor dem Siebengestirn über den Himmel). Sicherer als diese Spekulation ist den Forschern aber die etymologische Herkunft des Mai aus der Wortwurzel -mag, die Wachstum und Vermehrung bedeutet. Auch das keltische Vollmondfest Beltane, das Hochzeitsfest von Sonne und Erde, das im irischen Kalender den Sommeranfang markiert, fällt in diese Zeit.

Juni: Brachet, Rosenmond

Brachet ist die süddeutsche Kurzform für den Brachmonat oder Brachmond, da während dieser Zeit bei der Zwei- und auch Dreifelderwirtschaft des Mittelalters das Brachfeld bearbeitet wurde. Manche nennen den Juni auch den Rosenmond, denn dann blühen die Rosen; und die Erdbeeren – die ebenfalls zu den Rosengewächsen gehören – tragen erste Früchte. Der Mond schimmert in diesem Monat übrigens wirklich oft in Rosa! Denn je tiefer die Bahn des Vollmondes am Himmel verläuft, desto mehr erscheint sein Licht rötlich; aus demselben Grund wie die auf- und untergehende Sonne stets rot leuchtet. Seine römische Namenspatronin ist die Göttin Juno, Gattin des höchsten Gottes Jupiter und Beschützerin der Ehe. In diese Zeit fällt auch das keltische Fest Litha zur Sommersonnwende.

Juli: Heuert, Donnermond

Mit dem Monatsnamen Juli hat sich der römische Kaiser Julius Caesar selbst ein Denkmal gesetzt, als er im Jahr 46 vor Christi Geburt eine Reform durchführte und aus dem einstigen Lunisolarkalender einen reinen Sonnenkalender machte. Heuert ist die süddeutsche Kurzform für den Heumonat oder Heumond, da zu dieser Zeit die Heuernte stattfand. Dann brennt die Sonne am heißesten vom Himmel, sodass das geschnittene Gras schnell trocknet. Eine Gefahr waren allerdings die Gewitter, die sowohl die Obsternte vernichten als auch die Trocknung des Heues verhindern konnten. Schimmelndes Heu wäre einer Katastrophe gleichgekommen: Schließlich war es im Winter die einzige Nahrung für das Vieh. Deshalb trägt der Monat manchmal auch den Namen Donnermond.

August: Erntemond

Der Erntemond oder auch Ernting genannt (erfunden 1893 von Adolf Reinecke) geht auf das althochdeutsche Wort „arnoti“ und „ar(a)n“ zurück, was Ernte bedeutet und auf den Schnitt des Getreides hinweist. Der keltische Mondkalender nennt in dem Zusammenhang das Schnitterfest „Lughnasadh“, eines von vier Mondfesten, das wohl zum abnehmenden Mond gefeiert wurde. August heißt der Monat nach dem römischen Kaiser Augustus, der in diesem Monat sein erstes Konsulat angetreten hat.

September: Herbstmond, Engelmonat

Nach der ursprünglichen römischen Zählung der siebte Monat, kommt der September heute erst an neunter Stelle. Die Namen Herbstmond und Herbsting (wie auch der Ernting 1893 von Adolf Reinecke erfunden) weisen auf die Herbst-Tagundnachtgleiche rund um den 23. September hin. In der katholischen Kirche gilt der September traditionell als „Engelmonat“, was daran liegt, dass die Kirche das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael am 29. September feiert.

Oktober: Weinmond, Jagdmond

Schon Martin Luther bezeichnete den Vollmond im Oktober als „Weinmond“, da in diesem Monat traditionell die Weinlese stattfindet. Den Neumond im Oktober nennt man deshalb übrigens auch „Weinschein“. Eine weitere Bezeichnung ist der Jagdmond, denn im Oktober herrscht Hochsaison für die Jäger; nicht nur, weil der abnehmende Dreiviertelmond dann hoch am Himmel steht und für beste Lichtverhältnisse in der Dämmerung sorgt, sondern auch wegen der wortwörtlich fetten Beute. Seine lateinische Bezeichnung als achter Monat behielt der Oktober auch dann noch, als der Jahresbeginn im Jahr 153 vor unserer Zeitrechnung vom 1. März auf den 1. Januar vorverlegt wurde.

November: Nebelmond, Trauermonat

Das Wetter zu dieser Zeit lockt keinen Hund hinterm Ofen hervor: Nebelschwaden ziehen über die Wiesen, wenn die Luft sich immer mehr abkühlt und den Wasserdampf nicht mehr speichern kann. So entstanden die Namen Nebelmond und der von Pfister-Schwaighusen erst 1893 erfundene Nebelung. Das katholische Totengedenkfest Allerheiligen, das am 1. November stattfindet und dem November den Beinamen „Trauermonat“ gegeben hat, weist Parallelen zum keltischen Samhain-Fest auf, das zum elften Neumond im Jahr gefeiert wurde.

Dezember: Julmond, Heilmond

In der christlichen Tradition trägt der Dezember den Beinamen Heilmond, da dann das Geburtsfest von Jesus Christus, dem Heilsbringer gefeiert wird. Lange vor dem Christentum und den alten Römern wurde zu dieser Zeit schon die Wintersonnwende gefeiert. Der germanische Name für das Fest am 21. Dezember lautet Julfest. Der Name könnte sich entweder ableiten vom altnordischen Begriff júl oder jól für "Festgelage", oder aber vom germanischen Hauptgott Odin, der in der nordischen Mythologie den Beinamen Jólnir ("der Jul-Herr") trug. 
Warum die Wintersonnwende auch Thomastag genannt wird: Thomas war der Jünger Jesu, der die Auferstehung des Herrn erst glaubte, als er seine Finger in dessen Wundmale legte. Vielleicht gab es auch in früherer Zeit einige, die an die Rückkehr (bzw. Auferstehung) der Sonne erst glaubten, nachdem sie zur Wintersonnwende mit eigenen Augen gesehen hatten, wie die Sonnenbahn nun endlich nicht mehr tiefer wurde, sondern stagnierte und schließlich wieder anstieg.
Der Thomastag gibt den Startschuss zum Bäume Schlägern nach alter Tradition, was bis zum darauffolgenden Neumond dauert. Noch heute wird das Nadelholz, das um diese Zeit gewonnen wird, als Mondholz angepriesen.