Die 12 Sternzeichen des Tierkreises: Herkunft, Mythen und ihre Bedeutung

Sternzeichen Widder: Aufbruch und Wachstum
Ein wenig unfair ist es schon, dass dem Widder in der Astrologie so (scheinbar) negative Eigenschaften wie Egoismus und Aggression zugeschrieben werden. Das kleine, markante Sternbild hieß in Mesopotamien noch „Ackerbauer“, und darum geht es ja eigentlich in dieser Jahreszeit: um die Tatkraft, mit der die Felder umgeackert werden, damit die Landwirtschaft am Ende des Sommers genügend Nahrungsvorräte für den Herbst und Winter einbringt.
Die alten Griechen tauften das Sternbild „Widder“ nach dem goldenen Tier, das den Königssohn Phrixos dem Mythos nach vor dem Opfertod rettete und schließlich sich selbst opfern ließ. Als „Goldenes Vlies“ ging das Fell des Widders in den griechischen Mythos um Jason und Medea ein. Hm … Dieses Tier hat ebenfalls so gar nichts von Egoismus und Aggression. Woher also stammt dann der kriegerische Ruf des Widders?
Schauen wir uns mal die Natur nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche an: Da wächst alles um die Wette. Die eine Pflanze strebt möglichst schnell in die Höhe, die andere versucht mit ihren Blättern so viel Raum wie möglich abzudecken. Alle haben das gleiche Ziel: den ersten Platz an der Sonne ergattern! So wie vermutlich jedes Tier nach der langen, entbehrungsreichen Winterzeit nach Futter giert und seine Artgenossen wegzudrängen versucht. Egoismus ist also nicht per se eine schlechte Eigenschaft, sondern ein Prinzip, das zum Überleben ebenso dazugehört wie sein Gegenpol, die Kooperation.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Widder stammt von Bertolt Brecht: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Es steht für den Mut und die Tatkraft des Widders.
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Ist das Sternzeichen Widder wirklich so egoistisch und aggressiv? In der griechischen Mythologie zeigt sich der Widder von einer ganz anderen Seite ...
Sternzeichen Stier: Fruchtbarkeit und Fülle
Das Tierkreiszeichen Stier würde ich ja am liebsten umtaufen in „Kuh“. Unter Landwirten ist das weibliche Rind nämlich für gewöhnlich das wertvollere. Klar, die Kuh gibt Milch und gebiert Nachwuchs, der Stier nicht. In den Mythen der Urvölker wimmelt es von Kuhgottheiten, die die Welt gebären und sie mit ihrer Milch nähren. Die ägyptische Hathor mit ihren Kuhhörnern, die kuhäugige Hera ... oder die germanische Urkuh Audhumbla, die den Urriesen Ymir mit ihrer Milch nährte, den ersten Menschen mit ihrer warmen Zunge aus dem Eis auftaute und deren Name „milchreines Glück“ bedeutet.
Das Sternbild „Stier“, dessen Hörner die Milchstraße berühren und dessen Nachbar die Plejaden sind (auch „Siebengestirn“ genannt), war schon den Sumerern bekannt und von zentraler Bedeutung: An der Dicke der zunehmenden Mondsichel, wie sie nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche an den Plejaden vorbei zog, erkannten die Sterndeuter, ob man in diesem Jahr einen Schalt-Monat einbauen musste oder nicht. Und wenn die Sonne durchs Sternbild Stier wanderte, war das Gras im Wonnemonat Mai (wuni bedeutet im Althochdeutschen „Weide“) schon wieder so weit gewachsen, dass die Kühe endlich wieder auf die Weide getrieben werden können. Und nicht nur das grüne Gras … die Natur blüht und duftet um diese Zeit in den üppigsten Farben, Formen und Gerüchen. Im Germanischen bedeutet die Rune Fehu ᚠ nicht nur „Vieh“, sondern noch viel mehr: Wohlstand, Reichtum, Besitz. Denn je mehr Fehu die Menschen besaßen, umso mehr von diesen drei Dingen konnten sie generieren.
Wenn man den Kühen heutzutage ihre Hörner nimmt, um noch mehr von ihnen auf begrenztem Raum halten zu können, nimmt man ihnen und unserer Kultur nicht nur ein geschichtsträchtiges Symbol. Man nimmt den Rindern eine Möglichkeit der Kommunikation untereinander und außerdem hervorragende körpereigene Klimaanlagen, die sie ja eigentlich gerade zukunftsfähig machen würden angesichts des Klimawandels. Hörner leiten Hitze ab; deshalb sind die Hörner von afrikanischen Steppentieren wie dem Watussi-Rind oder der Elenantilope auch die längsten der Welt.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Stier stammt von Michel de Montaigne: "Der Genuss, nicht der Besitz macht glücklich." Dem Sternzeichen Stier wird Genießertum und ein Händchen für Vermögensverwaltung nachgesagt.
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Ob das Sternzeichen Stier nicht eher "Kuh" heißen sollte? Schließlich sind in der Landwirtschaft die weiblichen Tiere seit jeher diejenigen, um die sich alles dreht.
Sternzeichen Zwillinge: Castor, Pollux und die Kraft der Verbindung
Die Zwillinge nahe der Milchstraße fallen durch ihre hellen Sterne Castor und Pollux ins Auge; am besten sind sie im Winter hoch über unseren Köpfen zu sehen. Die Araber sahen in diesem Sternbild einen Löwen, in der griechischen Mythologie sind es zwei ungleiche Zwillingsbrüder: der eine ein Gott, der andere ein Mensch. Castor und Pollux waren die Söhne der Leda, hatten aber zwei unterschiedliche Väter, nämlich einen Gott und einen Menschen. Pollux, Sohn des Zeus, war unsterblich, während Castor, Sohn des Tyndareos, sterblich war. Die beiden liebten einander so sehr, dass Pollux beim Tod von Castor den Vater Zeus bat, seine Unsterblichkeit mit dem Bruder teilen zu dürfen. So lebten die beiden fortan die Hälfte des Jahres im Hades und die zweite Hälfte im Olymp.
Damit sind die Zwillinge nicht nur ein Zeichen der tiefen geschwisterlichen Liebe, oder Symbol der Polarität allen Seins. Sie zeigen auch, wie eng und gut die Beziehung zwischen Ideal und Realität sein kann, selbst wenn letztere immer irgendwie einen Haken hat. Am Anfang steht ja meistens eine Idee, etwas rein Geistiges, das ich mir wunderschön perfekt vorstelle. Verwirkliche ich die Idee, stoße ich immer wieder auf Probleme, die ich zuvor vielleicht nicht bedacht habe. Oder es passieren Fehler … die das Ergebnis nicht ganz so aussehen lassen wie gedacht, aber sie geben ihm eine unvergleichliche Note. Jede Schramme hat eine Geschichte, die erzählt werden will, die unterhält, die den Zuhörenden Einsichten und Erkenntnisse bringt. Die Geschichte zu einem perfekten Ergebnis hingegen ist meistens eher langweilig.
Die Geschichte der Zwillinge erinnert mich daran, Nachsicht zu haben bei Fehlern (von mir selber wie von anderen) und Unperfektheiten als kreative Details willkommen zu heißen. Selbst der Natur passieren immer wieder Fehler, ohne die es keine Evolution gäbe: vor der Selektion kommt die Mutation.
Weil wir schon bei der Natur sind: Die Verbreitung von Information ist ein wichtiges Thema der Zwillinge-Jahreszeit. Die genetische Information wirbelt als gelber Pollenstaub durch die Luft, die akustische Information zwitschern die Vögel von den Bäumen und Dächern (nämlich dass das hier ihr Revier ist!). Und die olfaktorische Information der Blüten lautet „Komm zu mir, bestäube mich!“ Der Geruch variiert je nachdem, welche Insektenart sie damit anlocken wollen. Die Zwillinge als sogenanntes „veränderliches Zeichen“ sind Wegbereiter für die kommende Jahreszeit: für den Sommer. Denn Früchte bringt die Natur umso mehr hervor, je besser es mit der Bestäubung geklappt hat.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Zwillinge stammt von Paul Watzlawick: "Man kann nicht nicht kommunizieren." Das entspricht der Weisheit des Sternzeichens Zwillinge, dessen Qualitäten Informations-Austausch und Kommunikation sind.-
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Gleichen Zwillinge einander wirklich wie ein Ei dem anderen? Das Sternzeichen Zwillinge symbolisiert eher die beiden Gegenpole eines Wesens, die göttliche, idealisierte Seite und die irdische, realistische Seite.
Sternzeichen Krebs: die Verletzbarkeit der Natur
Die Krebs-Zeit im astrologischen Jahreskreis ist die Kindergarten-Zeit in der Natur. Die Tierbabies sind geboren; nun geht es darum, sie auf die Gefahren des Lebens vorzubereiten. Auch wenn Mutter Natur rund um den Sommerbeginn viel Wärme, Licht und Nahrung zu bieten hat: Sie kann den Jüngsten auch gefährlich werden.
Gewitter haben im Juli großes Unwetter-Potenzial. Hagelkörner, Blitzschlag und örtliche Überschwemmungen drohen gerade den Schwächsten in der Natur zum Verhängnis zu werden. Und damit meine ich nicht nur die Tierwelt. An den Obstbäumen zeigen die befruchteten Blüten nun schon deutliche Fruchtkörper, die von Hagelkörnern zerschlagen oder vom Sturm abgerissen werden könnten. Aber im Normalfall dürfen sie in der warmen Sonne wachsen, rot und rund werden.
Bei uns Menschen ist die Kinderzeit diejenige, wo die eigenen Bedürfnisse auf soziale Normen treffen – manchmal geht das nicht ganz reibungslos vonstatten. Denn je größer eine Gesellschaft ist, desto komplexer werden auch die Regeln, die es zum Zusammenleben braucht. Der Krebs steht in der Astrologie für das innere Kind, das seine Bedürfnisse anmeldet. Auf sie zu hören ist wichtig. Unreflektiert danach zu handeln, kann zu Konflikten führen.
Am Nachthimmel rund um die Sommersonnwende kannst du das Sternbild des Herkules erkennen (rechts neben dem Sommerdreieck mit den hellen Sternen Vega, Deneb und Altair). Den Krebs sieht man gerade nicht, weil sich die Sonne in seiner Nähe befindet und ihn überstrahlt. Obwohl sie am Himmel so weit voneinander entfernt sind, verbindet Herkules und Krebs eine Geschichte: In der griechischen Mythologie hat der Halbgott Herkules zwölf schier unlösbare Aufgaben zu bewältigen. Eine davon ist der Kampf mit der Hydra, einer Wasserschlange, deren Köpfe immer wieder nachwachsen, egal wie oft Herkules sie abschlägt. Damit nicht genug, schickt Hera, die eifersüchtige Stiefmutter des Herakles, auch noch einen Krebs in den Ring, um Herkules abzulenken. Für den Krebs ist der Kampf aussichtslos: Herkules zertritt ihn einfach, da nützen dem kleinen Tier weder seine Zangen noch sein Panzer. Als Dank für die bedingungslose Loyalität gegenüber der Muttergöttin setzt Hera den Krebs immerhin an den Sternenhimmel.
Die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist ein Thema, das Astrologen dem Krebs zuordnen. Wie die Mutter mit den kindlichen Bedürfnissen umgeht, prägt uns bis weit ins Erwachsenenalter hinein. Schickt sie dich in einen aussichtslosen Kampf? Sieht sie dich als Konkurrenz um die Liebe des Vaters, ihres Mannes? Oder schützt sie dich vor krachenden Gewittern? Hält sie dich fest, wenn ein emotionaler Sturm um dich tobt?
Der Gegenpol zum Krebs ist der Steinbock. Durch dieses Zeichen wandert der Vollmond, wenn die Sonne im Krebs steht. Auch wenn der Steinbock für seine Härte nicht gerade geliebt wird: Er behält den klaren Durchblick. Er lässt sich nicht ablenken. Weder von Wasserschlangen noch von bösen Stiefmüttern. Mit ihm an der Seite hätte Herkules den kleinen Krebs vielleicht nicht zertreten.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Krebs stammt von Herbert Grönemeyer: "Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl." Das Zuhause ist für Krebs Sternzeichen zentral, Geborgenheit bei Familie und Freunden bedeutet ihnen viel.
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Das Sternzeichen Krebs steht in der Astrologie für das innere Kind, das seine Bedürfnisse anmeldet. Auf sie zu hören ist wichtig. Unreflektiert danach zu handeln, kann zu Konflikten führen.
Sternzeichen Löwe: Sonnenkraft und Erntevorbereitung
Den Nemeischen Löwen zu erlegen war die erste von zwölf Aufgaben des Zeus-Sohnes Herkules in der griechischen Mythologie. Das Fell zierte fortan Herkules' Schultern, und der Löwe wurde mit einem Platz am Sternenhimmel bedacht. Das Sternbild „Löwe“ kannten aber schon die Babylonier: Nergal, der Löwengott, war zuständig für Krieg und Unterwelt und wird oft mit Herkules (aber auch mit Hades, dem griechischen Gott der Unterwelt) gleichgesetzt. Nergal verkörpert die vernichtende Sonnenhitze im Hochsommer, die Brände, Krankheiten und Seuchen nach sich zieht. Die andere Seite des Löwen ist seine Macht: Seit jeher ein Herrscher-Symbol, gilt der Löwe als „König der Tiere“. Klar, seine Mähne krönt sein Haupt, und vor allem die Männchen jagen nicht selbst, sondern lassen jagen. Ein Traum von Patriarchat! Nebenbei bemerkt: Die Herrschaft bei Löwenmännchen ist nur von kurzer Dauer. Nach zwei bis drei Jahren werden die alten Chefs von Jüngeren vertrieben. Der weibliche Teil des Rudels bleibt hingegen oft ein Leben lang zusammen.
Während die Löwe-Sonne in Äquator-Nähe die Erde versengt, wirkt sich ihre Wärme in unseren Breitengraden bisher positiv auf die Ernte aus: Getreide, Obst und Gemüse reifen, und eigentlich braucht man sich die Nahrung in dieser Jahreszeit einfach nur von den Bäumen und Sträuchern pflücken. Auch für die Tiere ist jetzt Schlaraffenland. Bald schon machen die Hirsche in Schaukämpfen untereinander aus, wer der Rudelführer ist und die Weibchen begatten darf.
Für die Menschen, die seit etwa 9000 Jahren hauptsächlich von der Landwirtschaft leben, ist die Löwe-Zeit mit den Wochen kurz vor der großen Ernte verbunden: eine Art Ruhe vor dem Sturm. Die grobe Planung steht, die letzten Vorbereitungen für die arbeitsintensive Zeit laufen, und noch hat man hin und wieder die Muße, um in der Sonne zu dösen. Sobald der Startschuss für die Ernte gefallen ist, ändert sich das schlagartig. Dann sind alle Hände voll zu tun, und vor allem braucht es jemanden mit kühlem Kopf, der beherzt Entscheidungen trifft. Jemanden, der die Fäden in der Hand hält, der sich vorn hinstellt und dirigiert: eine Chef-Figur. Und da wären wir wieder beim Löwen als König der Tiere.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Löwe stammt von Arthur Schopenhauer: "Stolz kommt von innen: er ist die direkte Hochschätzung unserer selbst." Dieses Zitat steht für die selbstbewusste Haltung des Löwen.
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Sternzeichen Löwe: vernichtende Sommerglut oder souveränes Handeln zur Ernte-Zeit? Vielleicht ja beides!
Sternzeichen Jungfrau: Persephone und die Erntegöttin
Das zweitgrößte Sternbild am Himmel assoziierten die Babylonier mit einer liegenden Frau, der Göttin Šala („Kornähre“). Das Erscheinen dieses riesigen Sternbildes mit dem markanten Stern Spica (lateinisch für Ähre) frühmorgens am östlichen Horizont zeigte den Bauern die nahende Ernte an. Bei den Griechen wurde aus der Šala die Acker-Göttin Demeter, die für Fruchtbarkeit und Ernte zuständig war und übersetzt „Mutter Erde“ heißt. Das Sternbild jedoch widmeten die Griechen Demeters Tochter Persephone: Nachdem Hades ihre Tochter geraubt hatte, war Demeter so verzweifelt, dass sie ihre Pflichten vergaß. Auf Missernten folgten Hungersnöte, sodass der Göttervater Zeus schließlich eingriff und Persephones Schicksal immerhin abmildern konnte: Fortan sollte sie nur die Hälfte des Jahres bei Hades in der Unterwelt verbringen, die andere Hälfte durfte sie wieder zu ihrer Mutter in den Olymp. Dieser Mythos symbolisiert auf wunderschöne Weise das Werden und Vergehen in der Natur: Im Herbst und Winter zieht sich die Lebenskraft der Pflanzen tatsächlich in die Unterwelt zurück, während sie im Frühling und Sommer dem Himmel entgegen wachsen.
Pflanzen waren schon immer eine wichtige Nahrungsquelle für uns Menschen; vor 9000 Jahren wurden sie zentral für unsere Ernährung. Die Landwirtschaft begann ihren Siegeszug vom Orient nach Europa, und damit wurde es auch immer wichtiger, die Saat- und Erntezeiten voraussagen zu können. Damit ist die Jungfrau eines der wichtigsten Sternbilder im Tierkreis. Mit dem Eintreten der Sonne in dieses Zeichen startet die Ernte, weshalb man die Jungfrau Persephone eigentlich als enge Verwandte der keltisch-germanischen Schnitterin bezeichnen könnte. Spannend, dass in all diesen Ernte-Mythen Frauen die Hauptrolle spielen … so wie es laut Archäologie wohl einst auch die Frauen waren, die die Landwirtschaft erfunden und praktiziert haben.
Die Arbeiten, die mit der Ernte anfallen, haben der Jungfrau auch zu den Qualitäten verholfen, die ihr nachgesagt werden: fleißig, ordnend, vernünftig und maßvoll. So sorgt sie dafür, dass die Feldfrüchte auch wirklich bis über die harte Winterzeit reichen. Dass ihr auch ein Faible für die Gesundheit nachgesagt wird, verwundert mich nicht. Nach der Völlerei in der Löwe-Zeit hatten die Menschen im Frühherbst wahrscheinlich vermehrt mit den Folgen von zuviel Fruchtzucker und den ersten vergorenen Früchten zu kämpfen, die ihnen Bauchschmerzen bereiteten. Gut also, dass auch der Frauendreißiger exakt in die Jungfrau-Zeit fällt: vier Wochen, in denen die sommerlichen Heilkräuter ihre volle Kraft entfalten und deshalb dringend als Medizin geerntet werden müssen – für den Winter, aber sicher auch für Verstimmungen im Magen-Darm-Bereich.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Jungfrau stammt von Leonardo da Vinci: "Geniale Menschen beginnen große Werke, fleißige Menschen vollenden sie." Das Sternzeichen Jungfrau gilt als außerordentlich fleißig und diszipliniert – Arbeitstiere ohne jegliche Star-Allüren.
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Das Sternzeichen Jungfrau ist eigentlich eine Erdgöttin: Die Fülle der Ernte muss gut verwaltet werden, damit sie über den Winter reicht.
Sternzeichen Waage: fragiles Gleichgewicht im Jahreskreis
Die „Waage“ hieß schon bei den Sumerern so; vielleicht weil sich Tag und Nacht die Waage hielten, wenn die Sonne in diesem Sternbild stand. Vielleicht aber auch deswegen, weil um diese Zeit die Steuern fällig waren und die Abgaben abgewogen wurden. Babylonier und Griechen sahen in der Waage kein eigenständiges Sternbild, sondern die Scheren des benachbarten Skorpion.
Das Symbol für die Waage gleicht einem Sonnenuntergang über dem Meer. Aber eigentlich stammt es vom letzten Buchstaben im griechischen Alphabet, dem Omega, der die Vollendung eines Prozesses charakterisiert. So wie Omega unweigerlich zu Alpha gehört, so ist auch die Waage stark auf ihr Gegenüber bezogen.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Waage stammt von Ernst Ferstl: "Das Wesentliche im Umgang miteinander ist nicht der Gleichklang, sondern der Zusammenklang." Das Sternzeichen Waage gilt als ausgleichend und harmonisch – was aber nicht bedeutet, dass es Gegensätze verwischt.
Sternzeichen Skorpion: Mythologie, Tod und Neubeginn
Wusstest du, dass der Skorpion ein Spinnentier ist? Ich habe das gerade erst herausgefunden, als ich beim Malen des Skorpion-Zeichens ins Recherchieren gekommen bin: Skorpione haben acht Beine und gehören damit zu den Spinnentieren. In der Mythologie stehen die Spinnen oft sogar noch über den Göttern: In Westafrika ist es die Spinne Anansi, die die Welt erschaffen hat. In Indien heißt diese Spinne Maya, die Weltenweberin. In den europäischen Kulturen sind die drei Spinnerinnen Schicksalsgöttinnen, die über Leben und Tod walten.
Aber auch der Skorpion selbst hatte in den alten Hochkulturen eine zentrale Bedeutung: als Symboltier der ägyptischen Göttin Serket, die für Heilung und Magie zuständig war, oder auch als Schutzzeichen für die ägyptischen Pharaonen. In der griechischen Mythologie schickte die Jagdgöttin Artemis den Skorpion los, um Orion zu töten. Letzterer hatte nämlich zuvor geprahlt, dass er alle Tiere jagen und töten könnte. Weder Orion noch der Skorpion überlebten den Kampf, erhielten aber freundlicherweise von den Göttern einen Platz am Sternenhimmel – und zwar so weit wie möglich voneinander entfernt, sodass sie einander nie wieder begegnen müssen. Orion ist ein Wintersternbild, während man den Skorpion tief über dem Horizont am nächtlichen Sommerhimmel sieht. Vermutlich war das Sternbild des Skorpions aber schon bei den Sumerern als solches bekannt; sie ordneten das Tier mit dem giftigen Stachel ihrer Göttin Išḫara zu, die als Unterweltsgöttin für Omen, Zeichendeutung, Flüche und Eide zuständig war.
Das Symbol des Skorpions wird oft als „Sterberune“ bezeichnet (die aber nach meiner Recherche ganz anders aussieht...). Der giftige Stachel zeigt nach oben, so die offizielle Interpretation. Ich finde, dieser Pfeil nach oben ist der Mutmacher schlechthin. Um das zu verstehen, braucht es einfach nur Rausgehen in die Novembernatur und Augen Aufmachen. Dann finden wir – ganz winzig zwar – an den Zweigen schon die Knospen, die sich im kommenden Frühling öffnen werden.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Skorpion stammt von Jean Paul Sartre: "Wer den kleinsten Teil seines Geheimnisses hingibt, hat den anderen nicht mehr in der Gewalt." Geheimnisse, Macht und Ohnmacht sind zentrale Charakteristika des Sternzeichens Skorpion.
Sternzeichen Schütze: auf der Suche nach dem Licht
Die Zeit, in der die Sonne durchs Sternzeichen Schütze wandert, fällt ziemlich genau mit der vierwöchigen Adventszeit zusammen: eine dunkle Zeit voller Rituale und Magie. Ich stelle mir vor, wie das früher war, als die Menschen weder Heizung noch Glühbirnen hatten ... Die Sonne sinkt Tag für Tag tiefer, Kälte und Dunkelheit halten die Menschen im eisernen Griff. Vor allem die Schwachen unter ihnen leiden. Kinder, Alte und Kranke drohen zu sterben. Ob die Sonne wohl jemals wiederkehrt?
Medizinmänner und -frauen, Zauberkräftige und Druiden beschwören die Sonne in heiligen Zeremonien, doch bitte wieder umzukehren. Die Weisen vertrauen auf ihre Beobachtungen, darauf, dass es bisher noch jedes Jahr so passiert ist: An einem gewissen Punkt wird die Sonne umkehren. Wann dieser Wendepunkt erreicht ist, das erkennen sie an markanten Punkten am Horizont, oder auch an monumentalen Kalendern in der Natur. Stonehenge ist so ein Beispiel, Goseck und Pömmelte in Sachsen Anhalt ist ein weiteres.
Der Schütze peilt mit seinem Pfeil genau das an: das Licht der Sonne am Ende des dunklen Tunnels. An welchem Punkt am Horizont geht sie auf? Daran erkennt er, wie lange er die Hoffnung der Menschen noch schüren muss. Und wann die Hoffnung in Gewissheit umschlagen darf.
Der Schütze ist eines der ältesten Sternbilder und zeigt sich in Sommernächten sehr tief über dem Horizont. Vermutlich geht es auf ein frühes Volk von Reiternomaden zurück. Die Sumerer und später auch die Ägypter übernahmen diese Deutung teils und sahen darin einen Bogenschützen zu Pferd. Erst die Griechen machten aus dem Sternbild einen heilkräftigen Centaur mit Pfeil und Bogen.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Schütze stammt von Henri Matisse: "Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will." Optimismus ist ein Hauptkennzeichen des Sternzeichens Schütze: Er hat ein gutes Auge für das Licht am Ende des Tunnels.
Sternzeichen Steinbock: Pans Triumph nach der Wintersonnwende
Wenn die Sonne ihre tiefste Himmelsbahn erreicht hat, zieht sie am 22. Dezember ins Tierkreiszeichen Steinbock. Dass die Qualitäten dieses Zeichens Disziplin, Klarheit, Durchhaltevermögen und das Reduzieren aufs Wesentliche sind, ist nicht aus der Luft gegriffen. Es spiegelt schlichtweg das Geschehen in der Natur um diese Zeit wider. Die Sonne gewinnt nun ganz zaghaft wieder an Kraft, die Tage werden länger. Aber die Erde reagiert nur träge darauf. Sie hat die Kälte der vergangenen Wochen gespeichert, und deshalb ist die Steinbock-Zeit bei uns der kälteste Monat des Jahres.
Auch wenn der Steinbock als Bewohner der rauen, kargen Alpengipfel extrem gut ins Bild passt: Im alten Babylon hieß das Sternbild „Ziegenfisch“ nach den Fischschwärmen, die um diese Jahreszeit im Roten Meer gefangen wurden. In der griechischen Mythologie wurde aus dem Ziegenfisch ein Ziegenbock mit Fischschwanz: Typhon, ein Sturm-Ungeheuer und hierzulande in etwa mit der alljährlich wiederkehrenden „Wilden Jagd“ gleichzusetzen, sagte einst den Olympiern den Kampf an. Der Waldgott Pan versuchte sich und die Götter mit einer List zu retten, nämlich indem sich alle in Wassertiere verwandelten und in die Fluten eines Flusses sprangen. Dem Waldgott Pan gelang dies nur halb, sprich der Ziegenbock bekam lediglich einen Fischschwanz. Letztendlich gewann Zeus dank Pan den Kampf und begrub Typhon unter dem Ätna, dessen Ausbrüche von Typhons Wut zeugen. Und der Ziegenbock mit Fischschwanz erhielt als Anerkennung einen Platz am Sternenhimmel.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Steinbock stammt von John Ruskin: "Ausdauer ist edler als Stärke, und Geduld edler als Schönheit." Das beschreibt die Tugenden des Sternzeichens Steinbock sehr gut.Sternzeichen Wassermann: Noah und die Regenzeit
Der Wassermann, ein Luftzeichen? Und was ist mit dem Wasser? Das Wassermann-Sternbild war für die Alten Griechen der Deukalion, der ähnlich wie Noah eine Sintflut überlebte. Eine fliegende Taube brachte dem Noah das Zeichen fürs Ende der Katastrophe und fürs frisch grünende Leben. Daher vielleicht das Luftige des Wassermannes?
Aber eben auch Wasser: Wenn die Sonne vor 2000 Jahren das Sternbild Wassermann durchquerte, gab es regelmäßig Überflutungen. In Ägypten trat dann immer der Nil über seine Ufer, und in Griechenland war es wohl nicht nur die Regenzeit, sondern auch der schmelzende Schnee vom Olymp, der im Vorfrühling Überschwemmungen brachte. Das Wassermann-Sternbild stammt noch aus der babylonischen Zeit, und auch da gab es schon einen Sintflut-Mythos, der im Gilgamesch-Epos festgehalten ist. Irgendwie waren sie schon auch göttlich, diese Überschwemmungen während der Regenzeit: Nach der Katastrophe blühte das Land regelmäßig in üppiger Schönheit wieder auf – ein Zyklus, den sich die ersten Ackerbauern schließlich zunutze machten.
Und so ist der Wassermann noch heute charakterisiert: kreatives Chaos, dessen Genie erst später erkannt und gewürdigt werden wird. „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ Das ist eines meiner Lieblings-Zitate von Friedrich Wilhelm Nietzsche, das das Wassermann-Prinzip perfekt trifft. Zerstörung und Ende eines Lebenszyklus und zugleich der zarte Beginn von neuem Leben: wie der römische Gott Janus, nach dem der Januar benannt ist und der mit seinen zwei Gesichtern zugleich zurück in die Vergangenheit und nach vorne in die Zukunft blickt.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Wassermann stammt von Friedrich Wilhelm Nietzsche: "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können." All diese Komponenten – das Chaos, die Kreativität und die Geburt von etwas Neuem – charakterisieren die Qualitäten des Sternzeichens Wassermann vortrefflich.
Sternzeichen Fische: Fastenzeit und Transzendenz
Wenn du schon mal gefastet hast, kennst du das vermutlich: Nach einigen Tagen kehrt eine Ruhe und Leichtigkeit ein, die „Fasteneuphorie“. Die Träume werden intensiver, die Sinneswahrnehmungen ebenfalls.
Wenn die Sonne durchs Sternzeichen Fische wandert, ist Fastenzeit: die Zeit nach Fasching und Aschermittwoch oder – dem keltischen Jahreskreis entsprechend – die Zeit nach Imbolc. Bei diesem Vollmond-Fest aßen unsere Vorfahren alles auf, was sie noch an Vorräten hatten, bevor die Nahrung aufgrund der wärmeren Temperaturen (und der langen Lagerungszeit) faulig zu werden drohte. Danach blieb den Menschen nichts anderes übrig als zu fasten.
Auch der Name „Fasching“ hat etwas mit dem Fasten zu tun: Beim „vaschang“, dem Fastenschank wurde im 13. Jahrhundert ein letztes Mal Bier ausgeschenkt. Dann tauchte man ab in die 40 Tage lange Fastenzeit bis Ostern.
Das einzige, was die Natur zur Fische-Zeit normalerweise in Massen bereithält, ist Wasser. Schmelzwasser, Regenwasser, all dieses Wasser wäscht uns nun gehörig durch und schafft in der Natur eine gute Grundlage für frisches Wachstum.
Um diese Zeit gut zu bewältigen, braucht es ein gewisses Urvertrauen darauf, dass die Natur schon macht, was nötig ist, und man selber nichts zu machen braucht – genau das, was die Astrologie den Fischen als Qualität zuschreibt. Ähnlich haben es sich vermutlich die Göttin Aphrodite und ihr Sohn Eros im griechischen Mythos gedacht. Als sie dem winterlichen Sturm-Ungeheuer Typhon entkommen wollten, sprangen sie in die Fluten eines Flusses – darauf vertrauend, dass es mit der Verwandlung in zwei Fische schon klappen würde. Vermutlich hat es das auch, sonst würden die beiden nicht als Sternbild Fische am Himmel prangen.
In einem verwandelten Bewusstseins-Zustand bewegen sich auch die Fastenden: Sie schwanken zwischen Traum und Wirklichkeit ... solange bis sie mit frischer Nahrung wieder ins Hier und Jetzt katapultiert werden und die Zeit des Widders beginnt.
Das Zitat auf unserer Geburtstagskarte fürs Sternzeichen Fische stammt von Oscar Wilde: "Ein Träumer findet seinen Weg im Mondlicht." Der Traum, die Nacht und die Intuition bedeuten dem Fische Sternzeichen viel.


