Keltisches Baumhoroskop – Wie alt ist es wirklich?

Das Keltische Baumhoroskop gilt vielen als uralte Überlieferung der Kelten. Doch tatsächlich entstand es erst in den 1970er-Jahren. Erfahre, wie dieser weitverbreitete Mythos entstand, welche historischen Hintergründe es gibt und warum mich der keltische Baumkreis trotzdem zu meinem Baumkalender inspiriert hat.

Ist das Keltische Baumhoroskop wirklich keltisch?
Das Keltische Baumhoroskop ist viel jünger als das keltische Jahresrad – und viel jünger, als die meisten Menschen vermuten. Tatsächlich entstand es erst Anfang der 1970er-Jahre – und nicht in der Zeit der Kelten. Seine Entstehungsgeschichte beginnt mit dem Auftrag, den die Journalistin Paula Delsol 1971 vom Lifestyle Magazin "Marie Claire" bekommen hatte: Sie sollte ein paar Horoskop-Systeme erfinden, die so klingen, als stammten sie von uralten Kulturen. Neben einem arabischen und einem tibetischen Horoskop erfand Delsol auch das Keltische Baumhoroskop.

Wie entstand das Keltische Baumhoroskop?

22 Bäume werden darin Zeitabschnitten im Jahresverlauf zugeordnet, die meist um die zehn Tage lang dauern. Vier Bäume davon haben eine herausragende Stellung und sind nur jeweils einem einzigen Tag zugeordnet: die Buche der Wintersonnwende, die Eiche der Frühlings-Tagundnachtgleiche, die Birke (kurz nach) der Sommersonnwende und der Olivenbaum der Herbst-Tagundnachtgleiche. Die Eibe, einer der wichtigsten heiligen Bäume bei den Kelten, kommt in einigen Versionen gar nicht vor. Dafür der hierzulande kaum bekannte, weil nicht winterharte Zürgelbaum, den Delsol vielleicht wegen seines lateinischen Gattungsnamens "Celtis" gewählt hat. Ein Übersetzungsfehler machte daraus schließlich die Zeder. 

Warum passen einige Bäume nicht zur keltischen Kultur?

Spätestens die Zeder zeigt ganz deutlich, dass das Baumhoroskop nicht keltischen Ursprungs sein kann: Die Zeder ist in der Mittelmeer-Region bis zum Himalaya beheimatet und wurde erst im 17. Jahrhundert in England angepflanzt. Den Kelten war sie folglich unbekannt. Im Artikel von Delsol war zwar anstelle der Zeder noch vom Zürgelbaum die Rede, aber auch der wuchs nicht im Land der Kelten: Der Zürgelbaum ist nur in Frankreich weit verbreitet.

Robert Graves und die "Weiße Göttin"

Delsols Recherchen zum Keltischen Baumhoroskop gehen zurück auf das Buch „The White Goddess“, auf deutsch „Die weiße Göttin“, das der britische Schriftsteller und Dichter Robert Graves 1948 geschrieben hat. Auch das ist also längst nicht so alt wie die keltische Kultur. In diesem Buch ordnete Graves einzelnen Bäumen die Ogham-Zeichen – ein altes Schriftsystem aus Irland – zu. Manche der Schriftzeichen enthalten zwar Baumnamen, ein Großteil der Bezeichnungen stammt jedoch von der nicht-oghamischen Mönchsschrift Cló gaelach, Grundlage für die offizielle Schrift der Irischen Republik.  

Warum mich das Baumhoroskop trotzdem inspiriert

Trotzdem habe ich mich gern vom Keltischen Baumhoroskop zu meiner Version des Baumkalenders inspirieren lassen. Irgendwie mag ich solche Spielereien. Vielleicht auch, weil mich mit meinem Horoskop-Baum, der Kiefer, tatsächlich vieles verbindet? Als Kind bin ich mit der Zirbelkiefer in unserem Garten um die Wette gewachsen. Sie hat gewonnen – haushoch, im wahrsten Wortsinn!

Mehr Infos zum Keltischen Jahreskreis findest du hier.

Foto: Joe auf Pixabay