Der Frauendreißiger: Wann ist die beste Zeit zum Kräutersammeln?

Kräuterhexen wissen Bescheid: Die 30 Tage nach Mariä Himmelfahrt, ab 15. August, gelten als die beste Zeit, um sich mit Kräutern für den Winter einzudecken. Im Volksmund wird diese Zeit der "Frauendreißiger" genannt. Welche Wildkräuter du dann ernten kannst, erfährst du in unserem Wildkräuter Sammelkalender. Der beste Sammel-Zeitpunkt richtet sich vor allem nach der Sonne, nach ihrem Licht und der Wärme. Das bedeutet: Man braucht mindestens zwei, drei trockene Tage, bevor man mit der Kräuterernte beginnen kann, damit die gesammelten Kräuter während des Trocknungsprozesses nicht zu schimmeln beginnen. Und natürlich sollten die Kräuter dann die perfekte Reife besitzen. Wann das ist, richtet sich nach den Jahreszeiten, aber in geringerem Maße auch nach den Mondphasen.
Die Blüh-Zyklen der Sommerkräuter
Ihre erste Blütezeit erreichen die Sommerkräuter frühestens mit der Sommersonnenwende Ende Juni. Welche Kräuter das sind, erfährst du auf unserem Kräuter Sammelkalender. Doch Sommerkräuter haben etwa drei Blüh-Zyklen, weshalb die Ernte bis in den September hinein möglich ist. Die Erde reagiert für gewöhnlich träger auf die Sonne als die Luft: Sie erwärmt sich langsamer und gibt diese Wärme dafür länger und konstanter ab. Deshalb wird es erst im Juli/August so richtig heiß, weil dann nicht nur die Luft warm ist, sondern auch der Boden seine gespeicherte Wärme zusätzlich abgibt. Im August tragen die Kräuter folglich die maximale gespeicherte Sonnenkraft in sich: Der "Frauendreißiger" beginnt.
Wie Tageslicht die Blüte von Pflanzen steuert
Wann welche Pflanze blüht, richtet sich übrigens nach der Tageslichtdauer. Jede Pflanze hat eine Art Zeitschaltuhr, die die Dauer der Nachtstunden misst. Die einen brauchen mindestens 12 Stunden Dunkelheit, um das Startsignal für die Blüte zu geben – wie beispielsweise der Weihnachtsstern. Auch der Löwenzahn blüht, sobald die Nacht etwas weniger als zwölf Stunden dauert, weshalb man seine gelben Köpfe immer Anfang April und etwas abgeschwächt auch im September auf den Wiesen antrifft. Die Sommersonnwende mit einer Nachtdauer um die acht Stunden gibt das Signal für Sommerheilkräuter wie Johanniskraut, Mädesüß, Arnika oder Schafgarbe. Alle diese Kräuter findest du in unserem Kräuter Sammelkalender rund um das Sonnwend-Datum.
Wie der Mond mit dem Pflanzenwachstum zusammenhängt
Aber warum ist es ausgerechnet ein Zeitfenster von 30 Tagen, in dem gesammelt werden soll? Ich vermute, das hängt mit dem Zyklus der Mondphasen zusammen: 30 Tage dauert es von Neumond zu Neumond. Die idealste Mond-Zeit zum Sammeln für den Kräutervorrat, der getrocknet dann einen Winter lang halten soll, sind erstens besonders trockene Tage (damit die Pflanzen gut konservierbar sind) und zweitens die Tage kurz vor Vollmond. In unserem kleinen immerwährenden Mondkalender sind diese Tage mit der Blühphase des Löwenzahns als Beispiel illustriert.
Warum viele Kräuter kurz vor Vollmond geerntet werden
Pflanzen brauchen Licht zum Wachsen. Mittels Photosynthese wandeln sie Licht, Kohlendioxid und Wasser in Glucose um, mit der sie sich dann ernähren und wachsen können. Tagsüber sind Pflanzen vor allem damit beschäftigt, Glucose herzustellen. In den frühen Morgenstunden wird die Glucose dann in Wachstum umgesetzt – und zwar umso besser, je dunkler es in dieser Zeit ist. Nun kommen die Mondphasen ins Spiel: Denn mit der Mondphase hängt auch zusammen, zu welcher Tageszeit der Mond über den Himmel zieht. Der zunehmende Mond ist abends am Himmel zu sehen. Als zunehmender Dreiviertelmond steht er zu Sonnenuntergang so hoch und hell am Himmel, dass er die Dämmerung erhellt und die Tageslichtdauer somit ausdehnt. Das kommt den Pflanzen zugute, die ihre Photosynthese-Kraftwerke abends dann etwas länger laufen lassen. Denn gerade abends hemmen gewisse Mechanismen die Pflanze daran, die frisch erzeugte Glucose sofort in Wachstum umzusetzen. Lieber soll sie noch ein bisschen weiter Glucose produzieren. Deshalb siehst du die Haupt-Blütephase in unserem kleinen immerwährenden Mondkalender immer rund um Vollmond.Vollmond und abnehmender Mond: sensible Phase für Pflanzen
Zu Vollmond geht der Mond genau bei Sonnenuntergang auf und leuchtet die ganze Nacht lang. An diesem Tag kippt das Energielevel der Pflanzen ins andere Extrem, denn sie werden frühmorgens nun massiv vom Mondlicht gestört. Pflanzen können ihre Photosynthese-Kraftwerke nicht einfach abschalten wie wir eine Photovoltaik-Anlage, wenn sie infolge von zu geringer Lichteinstrahlung unrentabel werden würde. Sie müssen also zwangsläufig Photosynthese betreiben, wenn Licht auf sie einstrahlt. Das Licht des Vollmondes jedoch ist so gering, dass der Betrieb der Kraftwerke die Pflanze mehr Energie kostet, als sie dann mittels Photosynthese produzieren kann. Sprich die Pflanze hat in dieser Zeit weniger Energie zur Verfügung. Das bleibt so, bis der abnehmende Mond nur noch als Sichel am Himmel steht und sein Licht die Nacht nicht mehr erhellen kann. In der Zeit rund um Neumond steckt die Kraft vor allem in den Wurzeln der Pflanze, wie du auf dem kleinen immerwährenden Mondkalender erkennen kannst.Die beste Tageszeit zum Kräutersammeln
Zu welcher Tageszeit man sammeln soll, da scheiden sich die Geister: Wer nachmittags bis abends sammelt, hat den Vorteil, dass schon viel Wasser in den Kräutern verdunstet ist und sie schneller trocknen. Außerdem steckt dann noch die Energie eines weiteren Sonnentages in ihnen. Vormittags zu sammeln, das empfiehlt sich vor allem bei Kräutern mit vielen ätherischen Ölen: Sie verdampfen nämlich mit zunehmender Sonnenwärme und gehen so im Lauf des Tages verloren.
Fazit: Wann ist die beste Zeit für die Kräuterernte?
Die beste Sammel-Zeit für Kräuter ist also der Vollmond, der in die Zeitspanne zwischen 15. August und 15. September fällt. Danach nehmen die heilkräftigen Inhaltsstoffe in den Pflanzen rapide ab, selbst wenn die Pflanzen noch einmal blühen. In einem verregneten Spätsommer kann man jedoch wenig auf den Vollmond Rücksicht nehmen. Da gilt es, die trockensten Tage abzuwarten, bevor man mit dem Sammeln loslegt.


