Mondfinsternis: Mythen und Legenden aus aller Welt

Einst wusste man nicht, warum es Mondfinsternisse gibt. Wenn sich der Vollmond plötzlich verdunkelte, suchten Menschen überall auf der Welt nach Erklärungen. Wölfe, Drachen, Jaguare oder Dämonen – viele Kulturen entwickelten faszinierende Geschichten, um dieses seltene Himmelsereignis zu deuten. Hier sind ein paar davon:
Die Germanen:
"Wenn die Wölfe Hat und Skalli den Mond jagen, zubeißen und sein Blut über die Sonne spritzt, geht die Welt unter."Dieser Mythos erzählt nicht nur etwas über die Mondfinsternis, bei der der Mond scheinbar verschwindet, sondern auch über die Sonnenfinsternis, die in unmittelbarer zeitlicher Nähe (14 Tage vor oder nach einer Mondfinsternis) stattfindet.
Die Inka: Wenn der Jaguar den Mond verschlingt
"Zur Mondfinsternis zerreißt ein Jaguar den Mond am Himmel. Wenn man ihn nicht mit viel Lärm stoppt, könnte er nach dem Mond auch die Erde verschlingen und ewige Finsternis bringen."Um möglichst viel Lärm zu machen, schlugen die Inka bei einer Mondfinsternis sogar ihre Hunde, damit diese bellten und jaulten und so die himmlische Raubkatze vertrieben.
Die Chinesen: Der Drache und die Drachenpunkte
"Ein Drache frisst am Mond und lässt sich nur mit viel Lärm stoppen."Den Lärm erzeugten die Chinesen aber nicht, indem sie ihre Haustiere schlugen, sondern mit Trommeln und Böllern. Der Mythos vom gefräßigen Drachen gab den Mondknotenpunkten, zu denen Mond- und Sonnenfinsternisse auftreten, ihren Namen: Sie werden auch "Drachenpunkte" genannt. Außerdem galt eine Mondfinsternis als böses Omen für den Herrscher.
Die Chippewa (indigener Stamm in Nordamerika): Den Mond wieder zum Leuchten bringen
"Man muss den Mond und die Sonne wieder anzünden, wenn sie bei einer Finsternis aufhören zu leuchten."Deshalb schossen die Chippewa bei Sonnen- und Mondfinsternissen brennende Pfeile in den Himmel. Ein solches Himmelsereignis verlangte das aktive Eingreifen der Menschen – was für die Chippewa nicht nur das Weiterleuchten der Himmelslichter garantierte, sondern auch die Verbindung zwischen Mensch und Natur festigte.
Die Mesopotamier: Eine Mondfinsternis als Gefahr für den König
"Sieben Dämonen greifen den Mond bei einer Mondfinsternis an. Für die Dauer einer Finsternis muss ein Ersatzkönig bestimmt werden, damit der echte König den Angriff sicher übersteht."Auch den Mesopotamien galt eine Mondfinsternis als böses Omen, ja sogar als eine direkte Bedrohung des Königs. Zumindest der letzte babylonische Herrscher Nabonid stand dem Mondgott Sin sehr nahe, da seine Mutter Priesterin des Sin war. Nabonid wollte Sin zum Hauptgott machen und damit den langjährigen Stadtgott Marduk verdrängen, was ihm seine Krone kostete.
Die Japaner: Warum Brunnen während einer Mondfinsternis abgedeckt wurden
"Das Licht des kranken Mondes vergiftet das Wasser."Deshalb werden in Japan bei einer Mondfinsternis alle Brunnen abgedeckt. Jahrtausende später forschte der Japaner Masaru Emoto dazu, wie sich emotionale Schwingungen auf Wasser auswirken würden.

