Rauhnächte: Rituale und Bräuche für die Zeit zwischen den Jahren

Warum in den Rauhnächten Milch für die Perchten bereitstand
In der alpenländischen Tradition zieht in den Rauhnächten – der rauen Jahreszeit – die Wilde Jagd um die Häuser: Winterstürme, die Schnee und Eis bringen und vor denen man sich lieber ins geschützte Haus zurückzieht. Gruselige Perchtengeister können Unglück bringen. Stimmt man sie gnädig, verwandeln sie sich aber zu guten Geistern, die das Haus vor Unheil schützen. Deshalb stellten die Bauern einst in den Rauhnächten Schüsseln mit Milch vors Haus, als Nahrung und Gabe für die Perchten.
Räuchern mit heimischen Kräutern
Das Räuchern ist eines der ältesten Rituale, die wir kennen. In sämtlichen Naturvölkern trifft man es an, egal ob bei den indigenen Völkern Amerikas, in der sibirischen Steppe, im Orient oder bei unseren Vorfahren. Je nach Region stehen andere Kräuter oder Harze im Mittelpunkt. In der keltisch-germanischen Tradition gilt der Beifuß als die älteste, wichtigste Räucherpflanze. Dazu kommen Wacholder, Alant, Engelwurz und die schmerzstillenden, desinfizierenden Harze vor allem von Nadelhölzern wie Tanne und Fichte. Die Mistel war den Kelten ebenfalls heilig; sie kam gerade bei Ritualen rund um die Wintersonnwende zum Einsatz. Einige dieser Räucher-Pflanzen findest du in unseren Jahreskreis-Bildern wieder. Räucherharze wie Weihrauch oder Myrrhe verbreiteten sich hierzulande erst im Handel mit dem Orient. Hier findest du 13 der wichtigsten heimischen Räucher-Kräuter und ihre Wirkung:
- Alant: erdend, schützend
- Beifuß: kräftigend, für Loslassen und Verwandlung
- Engelwurz: schützend, kräftigend
- Fichtenharz: schmerzstillend
- Goldrute: stimmt zuversichtlich, energetisierend
- Holunder: gibt Geborgenheit, Segen
- Johanniskraut: wärmend, aufhellend fürs Gemüt
- Königskerze: aufhellend fürs Gemüt, schützend
- Lavendel: beruhigend
- Rosmarin: belebend
- Mistel: friedlich, verbindend
- Salbei: klärend, reinigend
- Wacholder: reinigend, schützend
13 Wünsche für das neue Jahr aufschreiben
Traditionell schreibt man zur Wintersonnwende in der Thomasnacht (21./22. Dezember) seine 13 innigsten Wünsche für das neue Jahr auf 13 Zettel, faltet diese und bewahrt sie in einem Gefäß auf. Ab dem ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember bis zum Drekönigstag am 5. Januar wird nun jeden Morgen ein Wunsch-Zettel gezogen, geöffnet und anschließend verbrannt. So soll der Wunsch im neuen Jahr in Erfüllung gehen. Der 13. Wunsch bleibt übrig: für seine Erfüllung ist der Wünschende selbst verantwortlich.In unserem Rauhnachtskalender haben wir dieses Ritual aufgenommen und weiterentwickelt, sodass du es nicht nur für dich selbst gestalten kannst, sondern auch gute Wünsche fürs neue Jahr verschenken kannst.
- 12 deiner Wünsche schreibst du einfach auf die Innenseiten der 12 Sonnenstrahlen-Türchen hinter dem Transparent. Den 13. Wunsch schreibst du zur Gruß-Botschaft auf die Innenseiten der Klappkarte.
- Stelle den Rauhnachtskalender aufgeklappt vors Fenster, oder stelle ein Windlicht zwischen die Seiten der Karte.
- Ab dem ersten Weihnachtsfeiertag wird nun jeden Morgen ein Türchen geöffnet. Damit kommt nicht nur ein guter Wunsch zum Vorschein, sondern auch das leuchtend warme Motiv hinter dem Sonnenstrahl. Es zeigt dir, wie die Sonne nun täglich wieder an Kraft gewinnt und die Tage länger werden. Gerade in den Rauhnächten, wenn die Sonnenkraft noch kaum merklich zunimmt, kannst du dir so das zurückkehrende Licht und alles, was damit verbunden ist, bewusst machen: die Wärme, den Optimismus, die Lebenskraft …
- Natürlich kannst du die einzelnen Sonnenstrahlen auch abreißen und Tag für Tag verbrennen. Wir glauben aber, dass die Wunsch-Kraft besser wirkt, wenn du dir den Inhalt der Wünsche immer wieder vergegenwärtigen kannst. Mit dem Rauhnachtskalender erhält dein Unbewusstes diesen positiven Input, wann immer es nötig ist!
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Der Rauhnachtskalender ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, in dem man 12 gute Wünsche fürs neue Jahr verpacken kann.
Traumtagebuch für die Rauhnächte führen
In der dunkelsten Zeit des Jahres, in der Innehalten und Stille den Tag bestimmen, wird das Geschehen in den Nächten – in den Träumen – äußerst lebendig. Träume sind Botschaften deines Unbewussten an dich. Notiere dir in den zwölf Rauhnächten direkt nach dem Aufwachen den wichtigsten Traum der Nacht. Bei der Einordnung des Traumgeschehens helfen dir folgende Fragen:
- Welche Gefühle hattest du während dem Träumen?
- Welche Personen kamen im Traum vor? Stehen sie evtl. für eine Seite von dir?
- Wo spielte der Traum?
- Welches Thema der vergangenen Tage könnte sich in diesem Traum zeigen?
- Hat der Traum eine Botschaft für dich?
Aufräumen und Altes loslassen
Wer das Alte hinter sich lassen will, muss zunächst einmal aufräumen und aussortieren. Was ist noch brauchbar? Was kann ich loslassen? Wo gibt es noch etwas abzuschließen? Habe ich Schulden zu begleichen? Das bezieht sich nicht nur auf die eigenen vier Wände und auf das Materielle. Auch im zwischenmenschlichen Bereich lohnt sich ein ordentlicher Jahresabschluss.
Mit Orakeln spielerisch ins neue Jahr schauen
Ein Brauch, den viele in der Silvesternacht praktizieren, und der viel Spaß bringen kann, wenn man ihn nicht allzu ernst nimmt. Bei uns zuhause ist das Gummibärchen-Orakel am beliebtesten: Ziehe blind fünf Gummibärchen aus einer Tüte und lies dann im gleichnamigen Buch, was die Farbkombination dir zu sagen hat! Aber natürlich kannst du auch beim Bleigießen (oder Wachsgießen, das ist umweltfreundlicher) orakeln, was die gegossene Figur dir zu sagen hat. Oder du suchst in der Glut des Lagerfeuers nach Figuren.
Meditieren und die Stille der Rauhnächte bewusst erleben
In unserer lauten, hektischen Zeit geht die Stille der Rauhnächte leicht unter. Heutzutage haben wir einfach keine „dunkle Jahreszeit“ mehr, denn das elektrische Licht macht nicht nur die Nacht zum Tag, sondern nimmt auch dem Winter seine dunkle Stille. Deshalb tut es besonders in diesen Tagen gut, sich bewusst Zeit zu nehmen, um Stille und Innehalten zu praktizieren.


