Schlaflos bei Vollmond? Was die Wissenschaft dazu sagt

Schlafen wir bei Vollmond wirklich schlechter?
Für manche ist der Vollmond mehr Fluch als Faszination: Erhellt er die Nacht, hilft ihnen kein Vorhang, keine Jalousie. Sie sind schlaflos bei Vollmond. Sie wälzen sich von der einen Seite auf die andere und sind am nächsten Morgen so gerädert, dass sie jeden gewöhnlichen Morgenmuffel in den Schatten stellen. Studien haben herausgefunden: Selbst wer sich immun gegen das Mondlicht glaubt, dessen Schlaf wird davon beeinflusst.Studie der Universität Washington: Weniger Schlaf vor Vollmond
Wissenschaftler der Universität Washington haben im März 2021 eine Studie veröffentlich, bei der sie den Einfluss des Mondes auf das menschliche Schlafverhalten untersucht haben. Sie stellten fest, dass die Menschen an den Abenden vor Vollmond (egal in welchem Monat) später ins Bett gehen und weniger schlafen als in Neumondnächten. Diejenigen Studienteilnehmer, die komplett ohne Strom und damit ohne elektrisches Licht lebten, schliefen in Vollmond-Nächten durchschnittlich 25 Minuten weniger als in Neumondnächten. Aber selbst die Probanden aus der Millionen-Metropole Seattle reagierten auf den Vollmond und gingen dann durchschnittlich elf Minuten später ins Bett.Vollmond und Tiefschlaf: Was Christian Cajochen herausfand
Dass wir bei Vollmond nicht nur kürzer, sondern auch weniger tief schlafen, hat der Schweizer Chronobiologe Christian Cajochen schon 2013 herausgefunden. Seine Versuchspersonen taten sich vor und zu Vollmond schwerer mit dem Einschlafen und schliefen weniger tief, was die Forscher mittels Hirnstrommessungen feststellten. Während der Vollmondnächte sank bei ihnen auch der Melatonin-Spiegel: eines der Hormone, die den Schlaf- und Wachrhythmus steuern.
Warum künstliches Licht unseren Schlaf zusätzlich beeinflusst
Die Zirbeldrüse in unserem Gehirn produziert nur dann Melatonin, wenn es dunkel ist – in Vollmondnächten entsprechend weniger. Deshalb ist es auch nicht gerade förderlich, wenn wir abends noch vor der Flimmerkiste oder vor dem Computer sitzen, denn diese Geräte strahlen vor allem Licht im blauwelligen Bereich ab, das dem Tageslicht gleicht und dann unsere Melatonin-Produktion hemmt. Unser Tag-Nacht-Rhythmus gerät dabei durcheinander. Soweit zu den Studien.
Wenn Bewusstsein und Träume näher zusammenrücken
Das Vollmondlicht lässt die Tagwelt und das Träumeland näher zusammenrücken: Dadurch, dass wir nicht so tief schlafen, träumen wir mehr. Und weil wir zwischendrin öfter mal aufwachen, bleiben die Träume besser in unserem Bewusstsein haften. Die Schwelle zwischen Bewusstsein und Unbewusstem ist also viel niedriger, sodass beide Welten sich untereinander sehr viel mehr austauschen als sonst. Im besten Fall komme ich in dieser Zeit meinen Gefühlen näher und kann die Dinge aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten. Manchmal fehlt dann aber auch die Ausgeschlafenheit, die Nüchternheit und Sachlichkeit, was Konflikte nicht unbedingt einfacher macht.

