Was sind die Rauhnächte? Ursprung, Bedeutung und Brauchtum

Was sind die Rauhnächte?
Als Zeit „zwischen den Jahren“ werden die Rauhnächte oft bezeichnet. Manche Legenden erzählen, das Rad der Zeit würde sogar innehalten in diesen Tagen. In der Zwischen-Zeit spielen sich allerhand magische Geschichten ab: Tiere sprechen plötzlich in Menschen-Sprache zu uns. Geister verfangen sich in Leintüchern, die zum Trocknen an der Wäscheleine hängen, und verwandeln sie in Leichentücher. Träume werden zu Orakeln, die uns das kommende Jahr vorhersagen. Es gibt unzählige Rituale für die Rauhnächte. Wünsche haben nun die größte Kraft, weshalb sich unser Rauhnachtskalender genau darum dreht: um zwölf gute Wünsche fürs neue Jahr. Und dann braust draußen auch noch die Wilde Jagd um die Häuser und bringt winterliche Schneestürme mit sich.
Woher stammt der Name „Rauhnächte“?
Die magische Zeit hat ihre gute Seite: Wer sich an die Rituale hält, kann die guten Geister gnädig stimmen und sie für das kommende Jahr um Glück, Gesundheit und Wohlstand für die Sippe bitten oder seinen Lieben kraftvolle Wünsche fürs neue Jahr mit auf den Weg geben. Früher wurde beispielsweise Milch rausgestellt … oder eben geräuchert. Das Räuchern hatte auch einen ganz banalen Grund: Die Dämpfe von Wacholder, Salbei, Beifuß und etlichen anderen Kräutern und Harzen wirken desinfizierend. Da Lüften in der kalten Jahreszeit viel von der wertvollen Wärme gekostet hätte, räucherte man die Räume lieber und hielt auf diesem Weg Krankheitserreger fern.
Die Rauhnächte und ihre Verbindung zum Christentum
Erst wenn die Tage wieder spürbar länger werden, dann dreht sich auch das Jahresrad wieder weiter. Zunächst ist das rückkehrende Sonnenlicht kaum sichtbar. Doch der leuchtende Rauhnachtskalender veranschaulicht dir ganz deutlich, wie es Tag für Tag wieder heller wird. In der christlichen Mythologie ist es der Sohn Gottes, der in dieser dunkelsten Zeit des Jahres geboren wird. Zwölf Tage später ziehen die Heiligen Drei Könige durchs Land und verkünden die frohe Botschaft allerorten: Der Messias, der Lichtbringer ist geboren! In einigen Legenden sind es nicht nur drei Könige, sondern sogar zwölf, die sich auf den Weg gemacht hatten, um den Messias aus ihren Prophezeiungen zu suchen.
Wie alt sind die Rauhnächte wirklich?
Die Rauhnächte sind älter als das Christentum. Statt des Gottessohnes ist es in der keltischen Mythologie die Sonne, die zur Wintersonnwende wiedergeboren wird. Auch unser Rauhnachtskalender bezieht sich auf diese uralte Tradition, die eng mit dem Naturgeschehen verknüpft ist. Der Mythos vom Sonnenhirsch, der die Sonne zwischen seinen Geweihstrahlen aus der Unterwelt zurück bringt, ist ebenfalls sehr nahe dran am Naturgeschehen: Bis zur Wintersonnwende am 21./22, Dezember zieht die Sonne eine immer tiefere Bahn über den Himmel: der Grund, warum die Tageslichtdauer bei uns immer kürzer wird, und warum es immer kälter wird. Einst, als die Menschen weder elektrisches Licht noch Heizungen hatten, muss das Schwinden der Sonnenkraft sehr viel existenzieller gewesen sein. Rituale entstanden. Die Menschen versuchten, über ihre Magier und Priester mit der Sonne in Kontakt zu treten, um sie zum Umkehren zu bewegen. Noch heute zeugen die vielen Feuer-Rituale in der Adventszeit davon, die ihren Höhepunkt in den großen Feuern zur Wintersonnwende haben. Die Sprache der Sonne war Licht und Feuer, also ahmte man sie nach.
Weihnachten, Yulfest und die Rückkehr des Lichts
Drei Tage nach der Wintersonnwende wird Weihnachten gefeiert, das in Skandinavien das Yulfest genannt wird und von dem wir den Hirsch als Sonnen- und Weihnachts-Symbol übernommen haben. Drei Tage, in denen die Sonnenbahn fast gleich bleibt. Erst an Heiligabend bzw. am Morgen danach kann man erkennen, dass die Sonne nun ein winzig kleines Stückchen weiter östlich aufgeht – dass ihre Bahn folglich wieder anzusteigen beginnt. Spätestens jetzt herrscht Gewissheit: Die Sonne kehrt zurück, es wird einen neuen Frühling geben! Ein guter Grund zum Feiern - auch für die wilden Tiere des Waldes auf unserem Rauhnachtskalender! Eine wertvolle Nahrung für die Hoffnung und eine Motivation, die kommenden kalten Monate durchzuhalten. Doch warum sind es dann zwölf Rauhnächte und nicht drei?
Warum sind es zwölf Rauhnächte?
Die Zahl Zwölf gilt in etlichen Kulturen als eine heilige Zahl: Zwölf Mondphasenzyklen werden innerhalb eines Sonnenjahres vollendet. Zwölf Nächte sind es auch, die dem Mondjahr mit seinen 354 Tagen zum Sonnenjahr (mit 365 ¼ Tagen) fehlen. Oft werden die Rauhnächte damit erklärt, dass es diese zwölf Nächte Zeit-Stillstand braucht, damit Sonnen- und Mondjahr sich wieder aneinander annähern können. Vor mehr als 2000 Jahren wurden die Monate noch an den Mondphasenzyklen gemessen, sprich das Jahr war nach zwölf Mond-Monaten und 354 Tagen eigentlich rum. Allerdings wusste man schon damals, dass das Sonnenjahr etwas länger dauert als diese 354 Tage. Der Mond musste also „warten“, bis die Sonne ebenfalls mit ihrem Jahreszyklus fertig war. Das Rad der Zeit wurde also angehalten – während der zwölf Rauhnächte.
Wann beginnen die Rauhnächte?
Das ist auch der Grund, warum die Rauhnächte in einigen Regionen schon früher beginnen, nämlich zwölf Tage vor der Wintersonnwende. Der 13. Dezember ist der Tag der Luzia, der Lichtbringerin (aus der später im Christentum Gottes Gegenspieler Luzifer wurde), die du auch in unserem Adventskalender zu den Weihnachtsbräuchen wiederfindest. In Skandinavien wird dieser Tag groß gefeiert mit weiß gekleideten Mädchen, die einen Kranz mit Kerzen auf ihrem Kopf tragen und die heilige Luzia verkörpern. In der alpenländischen Tradition, in der wir von SONNE MOND und ERDE zuhause sind, beginnen die Rauhnächte mit der Wintersonnwende am 21./22. Dezember. Unser Rauhnachtskalender beginnt trotzdem erst mit dem 25. Dezember: zum einen, weil die Rauhnächte traditionell nur zwölf Nächte sind und die letzte am Dreikönigstag endet; zum anderen, weil die Sonnenbahn erst drei Tage nach der Wintersonnwende wieder ansteigt.
Die wichtigsten Rauhnächte im Jahreskreis
21./22. Dezember: Wintersonnwende oder Thomasnacht24./25. Dezember: Weihnacht, Heilige Nacht oder Stille Nacht
31. Dezember / 1. Januar: Silvesternacht oder Neujahrsnacht
5./6. Januar: Heilige Drei Könige


