Das Mondrad für Kinder – Teil 2 "Die Sterne"

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Unsere Kinder wachsen auf in einer Welt, in der das Zyklische mehr und mehr verloren scheint. Frische Früchte gibt's im Supermarkt zu jeder Jahreszeit, die Winter sind längst nicht mehr so bedrohlich wie früher und auf Tageslicht ist man dank elektrischer Beleuchtung auch nicht mehr angewiesen. Die wenigsten haben noch die Möglichkeit, den Sternenhimmel mit Mond und Planeten in all seiner Faszination, ohne den Einfluss der städtischen Lichter zu bewundern. Doch das Zyklische ist nicht verloren. Es braucht nur ein bisschen mehr Achtsamkeit, ein bisschen mehr Fokus darauf.

In unserer Serie wollen wir Ihnen ein paar Informationen und Werkzeuge in die Hände geben, wie Sie die Zyklen der Natur, von Sonne, Mond und den Gestirnen zusammen mit den Kindern wieder neu entdecken und erforschen können. Das Mondrad ist dabei ein wunderbarer Helfer und ein anschauliches Modell.


Sobald die Sonne abends unter dem westlichen Horizont verschwunden ist, beginnen am Himmel unzählige Lichtpunkte aufzuleuchten. Die meisten davon sind das, was unsere Sonne auch ist: ein Stern. Ein riesiger Ball aus Feuer und Gas, der so heiß und hell ist, dass wir seine Wärme selbst 150 Millionen Kilometer entfernt noch deutlich spüren. Ohne die Sonne wäre kein Leben auf der Erde möglich. Ohne die Sonne gäbe es die Erde vermutlich gar nicht.

Die anderen Sterne sind so viele tausende bis Millionen und Milliarden Lichtjahre von uns entfernt, dass wir sie nur noch als winzige Punkte wahrnehmen. Ein Lichtjahr ist übrigens die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Zum Vergleich: Für die Strecke von der Sonne bis zur Erde braucht das Licht gerade mal acht Minuten.

Obwohl sie so weit weg sind, hatten die Sterne schon immer eine wichtige Bedeutung für die Menschen: Weil sie immer am selben Platz am Himmel standen, konnte man sich an ihnen orientieren; nicht nur räumlich, wenn man nachts unterwegs war wie beispielsweise die Schiffe auf dem Meer. Sondern auch zeitlich, denn vor 2000 Jahren gab es schließlich noch keine Uhren, so wie wir sie heute kennen.


Die Himmelsuhr

Wer wissen wollte, wie spät es war, sah damals zuallererst zum Himmel hinauf: Wo stand die Sonne gerade? Stand sie im Osten, war es Morgen oder Vormittag. Stand sie hoch über dem südlichen Horizont, war Mittag. Und abends ging sie dann im Westen unter. Mehr und genauer brauchte man die Tageszeit nicht zu wissen. Was viel wichtiger war für die Menschen damals, war das Datum! Wo im Jahresverlauf stand man gerade? Im Frühling? Dann musste gesät und gepflanzt werden. Im Sommer? Zeit für die Ernte und um sich einen Winterspeck anzufuttern! Im Herbst war es in unserem Breitengraden und weiter nördlich dringend notwendig, für die kalte Jahreszeit vorzusorgen, in der keine Nahrung wächst und die Menschen noch dazu einer eisigen Kälte ausgesetzt sind. Und wenn man anhand der Himmelsuhr erkannte, dass der Winter nicht mehr allzu lang dauern würde, konnte man getrost alle verbliebenen Vorräte verputzen. Zum einen, weil sie eh bald verdorben sein würden, zum anderen, weil in wenigen Wochen frische Nahrung wachsen würde und eine gewisse Zeit des Fastens ohnehin gut aushaltbar (ja eigentlich sogar gesund) ist.

Warum also braucht man eine Himmelsuhr, wenn man die Jahreszeiten sowieso aus der Natur ablesen kann?! Na gut, auch die Sonne zeigt die Jahreszeiten an ... sie zieht im Winter tief und im Sommer hoch über unseren Himmel. Aber wie macht man es, wenn man nahe dem Äquator lebt, wo es praktisch keine Jahreszeiten gibt und die Sonne immer in derselben Bahnhöhe über den Himmel zieht?


Auf dem astronomischen Mondrad sind die Sternbilder des Tierkreises abgebildet, und zwar in der Richtung, wie man sie auch nebeneinander am Himmel beobachten kann.
Auf dem astronomischen Mondrad sind die Sternbilder des Tierkreises abgebildet, und zwar in der Richtung, in der man sie auch nebeneinander am Himmel beobachten kann.

Die Sternbilder, das himmlische Zifferblatt

Die Sterne eines Sternbildes sind oft Hunderte von Lichtjahren voneinander entfernt. Für uns, von der Erde aus gesehen, scheinen sie sich aber zu Bildern zusammenzusetzen, die einem bei der Orientierung am Himmel helfen – und eben bei der zeitlichen Orientierung: Denn bestimmte Sternbilder sieht man nur am sommerlichen Nachthimmel, andere nur am Winter-Nachthimmel. Mit ihrem steten Auftauchen zu bestimmten Jahreszeiten sind die Sternbilder ein idealer Kalender, etwa für Aussaat und Ernte. Einige von diesen Sternbildern, wie "Waage" und "Skorpion" sind bereits über 4000 Jahre alt und waren schon den Babyloniern bekannt. Die meisten Namen aber stammen von den alten Griechen vor ungefähr 2000 Jahren.

Eine ganz besondere Rolle spielen für uns die zwölf Sternbilder, die sich von uns aus gesehen entlang der Ekliptik über den ganzen Himmel ziehen. Sonne, Mond und Planeten wandern ziemlich genau auf dieser Ekliptik entlang. Wer nach einem Himmelskörper unseres Sonnensystems Ausschau hält, muss ihn also auf dieser Bahn suchen. Und wer ihn gefunden hat, kann sich den Stand dann sehr gut anhand des Sternbildes merken, vor dem der Planet (oder auch der Mond) gerade steht. Man könnte die Sternbilder des Tierkreises auch als das himmlische Zifferblatt bezeichnen, und Sonne, Mond und Planeten als die Uhrzeiger. Weil die zwölf Sternbilder Steinbock, Wassermann, Fische, Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion und Schütze fast nur Tiere sind, werden sie als Tierkreis bezeichnet.

Andere Kulturen haben übrigens oft ihre eigenen Sternbilder. In China etwa sind sie viel kleiner: Die Ekliptik, also unser Tierkreis, ist dort in 28 "Xiu" eingeteilt. So wandert der Mond dort täglich durch ein anderes Sternbild, während er bei uns etwa zweieinhalb Tage lang durch ein Sternbild braucht.

Mit einem schwarzen Karton kann man die Tag-Nacht-Grenze und damit die Sternbilder zeigen, die zu dieser Jahreszeit am Nachthimmel zu sehen sind: nämlich all diejenigen in der unteren Hälfte.
Mit einem schwarzen Karton hinter dem Mondrad kann man die Tag-Nacht-Grenze und damit die Tierkreis-Sternbilder zeigen, die zu dieser Jahreszeit nachts zu sehen sind: all diejenigen in der unteren Hälfte.

Die schiefe Ebene der Ekliptik

Die Sternbilder geben uns Auskunft darüber, ob die Gestirne gerade sehr tief oder sehr hoch über unseren Himmel wandern. Im Sternbild Zwillinge beispielsweise ziehen Sonne und Mond (und natürlich auch die Planeten) immer ihre höchsten Bahnen. Im gegenüberliegenden Sternbild Schütze stehen sie selbst im Zenit noch sehr tief über dem Horizont und sind dementsprechend auch viel kürzer zu sehen. Das, was bei der Sonne die Wintersonnwende um den 21. Dezember ist, nämlich wenn die Sonne auf ihrer tiefsten Bahn durchs Sternbild Schütze wandert, ist beim Mond die Südliche Mondwende einmal im Monat. Umgekehrt entspricht dem Sonnenhöchststand zur Sommersonnwende um den 21. Juni, wenn die Sonne durchs Sternbild Zwillinge wandert, die allmonatliche Nördliche Mondwende.


Beim Tisch-Mondrad ist die dunkle Nacht-Hälfte bereits ins Mondrad integriert, während man gegenüber bei der Neumond-Position die Sonne im aktuellen Sternbild sieht.
Beim Tisch-Mondrad ist die dunkle Nacht-Hälfte bereits ins Mondrad integriert, ebenso wie die schiefe Ekliptik mit ihrem höchsten Punkt im Sternbild Zwillinge und ihrem tiefsten Punkt im Schützen.

Die wichtigsten Orientierungspunkte am Nachthimmel

Polarstern: Er ist für die nördliche Hemisphäre so etwas wie das Zentrum des Zifferblattes, um das sich die ganze Himmelsuhr dreht. Das heißt, er steht immer an derselben Stelle, egal ob Sommer oder Winter. Man findet ihn am besten mithilfe der bekanntesten Sternbilder: der Kassiopeia, dem Kleinen und dem Großen Bären.

Kleiner und Großer Bär: Diejenigen Sternbilder, die nahe dem Polarstern stehen und deshalb ebenfalls zu jeder Jahreszeit am Nachthimmel zu finden sind, heißen zirkumpolare Sternbilder. Der Polarstern markiert den Schwanz des Kleinen Bären. Der Kopf und die Schulterblätter des Großen Bären werden oft auch "Großer Wagen" genannt und sehen ein bisschen wie eine Suppenkelle aus. Das W der Kassiopeia steht dem Großen Bären gegenüber, zwischen ihnen befindet sich der Kleine Bär mit dem Polarstern. Verlängert man die Schulterblätter des Großen Bären in Richtung Kassiopeia, trifft man geradewegs auf den hellen Polarstern.

Milchstraße: Das hell schimmernde Band, das sich zu jeder Jahreszeit über unseren gesamten Nachthimmel zieht, ist unsere Galaxie.

Sternbilder des Tierkreises: Zweimal kreuzt die Milchstraße die Ekliptik: an ihrem tiefsten Punkt im Sternbild Schütze (am sommerlichen Nachthimmel zu sehen) und an ihrem höchsten Punkt im Sternbild Zwillinge (am winterlichen Nachthimmel zu sehen).


Wer außerdem wissen will, was der Aszendent im Geburtshoroskop ist und wie man mit dem Mondrad ganz einfach den eigenen Aszendenten herausfinden kann, findet ein Video dazu auf unserem YouTube-Kanal.

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