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Der Ursprung der Rauhnächte

Aktualisiert: 20. Dez 2020

Die Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag galten unseren Urahnen als heilig. In diesen zwölf Nächten wurden Orakel befragt, Träume gedeutet, es wurde geräuchert und geweissagt.




Warum genau diese zwölf Nächte als so besonders galten, ist nicht eindeutig geklärt. Die Wissenschaftler vermuten, dass damit die Differenz zwischen dem 365 Tage dauernden Sonnenjahr und dem Mondjahr mit seinen 354 Tagen ausgeglichen werden sollte. Doch warum legten unsere Vorfahren diese "Schalttage" ausgerechnet in die dunkelste Zeit des Jahres?

Lag es an der Sonne, die kurz vor den Rauhnächten ihre tiefste Bahn über den Himmel zieht? Manche Rauhnacht-Zählungen beginnen tatsächlich schon in der Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember. Oder lag es am Mond? Der bedeutete unseren Urahnen so viel, dass sie die meisten Feste des Jahreskreises wie Fasching, Ostern oder auch Samhain – das bei uns in Allerheiligen umgewandelt wurde – an dessen Zyklen festmachten. Vermutlich lag es an beiden Himmelskörpern ...


Während die Sonne zu ihrem Tiefststand für besonders kurze Tage und lange Nächte sorgt, zieht der erste Vollmond nach der Wintersonnwende nämlich seine höchste und längste Bahn über den Himmel. Und das bedeutet: Die Nächte rund um die Wintersonnwende sind von Extremen geprägt. Zu Neumond herrscht rund 15 Stunden lang totale Finsternis. Nur zwei Wochen später leuchtet der Vollmond die lange Nacht so grell aus, dass die Natur mit den harten Schatten und so ganz ohne Farben wie verzaubert, fremdartig, ja sogar unheimlich wirkt.


Wahrscheinlich nicht wenige unter uns haben bei grellem Vollmondlicht mit Schlafproblemen zu kämpfen. Oder schlafen zumindest nicht ganz so tief, was entweder ein zähes Wälzen von Gedanken und Emotionen zur Folge hat oder auch lebhaftere Träume mit sich bringt. Die Grenze zwischen Wachbewusstsein und Unbewusstem, zwischen Verstand und Emotionen wird durchlässiger. Beide Welten rücken näher zusammen, beeinflussen einander gegenseitig stärker als sonst. Wer den Träumen eine tiefere Bedeutung beimisst, der kann in dieser Zeit vermutlich einen ungewöhnlich regen Austausch zwischen Traum und Wirklichkeit feststellen. Und er oder sie kann daraus Informationen für das eigene Leben gewinnen, die den Orakeln der früheren Druiden und Hexen vielleicht gar nicht so unähnlich sind.

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