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Warum es ohne Mond kein Leben auf der Erde gäbe

Wenn Astrophysiker nach Leben im All forschen, suchen sie nach Planeten, die unter anderem einen verhältnismäßig großen Mond haben. Warum? Weil ohne einen solchen Mond kein Leben auf der Erde entstanden wäre. Der Mond beeinflusst unsere Jahreszeiten, das Klima und sogar die Länge unserer Tage.


Vor viereinhalb Milliarden Jahren, als die Erde noch jung und der Mond gerade erst geboren war, kreisten die beiden sehr viel schneller umeinander als heute. Überhaupt lief alles im Eiltempo: Ein Tageszyklus auf der Erde dauerte gerade mal fünf Stunden, der Mond drehte sich sogar noch schneller um sich selbst. Aber schon nach 100 Tagen gab er auf und ergab sich in eine erdgebundene Rotation. Seither dreht er der Erde immer dieselbe Seite zu. Nicht nur der Mond, auch die Erde wurde ausgebremst dadurch, dass sie und der relativ große Mond einander umkreisten. Ohne den Mond würde ein Erd-Tag heute vermutlich immer noch um die sechs Stunden kurz sein.

Damals war der Mond nicht einmal 30.000 Kilometer weit von der Erde entfernt. Verglichen mit der heutigen Entfernung von durchschnittlich 384.000 Kilometern war das ein Katzensprung. Man stelle sich mal die Aussicht auf den Himmel damals vor: Nichts außer einem riesengroßen Mond, der es bei Vollmond auf der Erde auch nachts fast taghell gemacht hat! Wenn es denn damals schon Lebewesen mit Augen im Kopf gegeben hätte.


Wenn der Mond nur 30.000 Kilometer entfernt wäre ...(Bild: Stefan Keller, Pixabay)
Wenn der Mond nur 30.000 Kilometer entfernt wäre ...(Bild: Stefan Keller, Pixabay)

Doch bis sich das erste einfache Leben auf der Erde – oder besser: in den Ozeanen – bildete, dauerte es eine Milliarde Jahre. Und noch einmal drei Milliarden Jahre später – vor etwa 540 Millionen Jahren – explodierte die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Vor 300 Millionen Jahren schafften die ersten Pflanzen den Sprung aus dem Wasser aufs Festland, und mit ihnen gingen die ersten Tiere an Land. Das war nur möglich, weil es den Mond gab. Der Mond sorgt seit jeher für Ebbe und Flut. In den Küstenregionen wurde das Land mal vom Meer überspült, mal war es trocken. Gezeitentümpel entstanden, in denen das Leben regelmäßig vor neue Herausforderungen gestellt wurde: Überleben nahe der Austrocknung! Amphibien entwickelten sich. Die Zyklen von Ebbe und Flut sind Wurzeln, die bis zur Geburt des komplexen Lebens zurückreichen. Sie sind uns in den tiefsten Schichten unserer Existenz eingeschrieben.


Aber warum ist der Mond auch heute noch so existenziell für das Leben auf der Erde? Gäbe es ihn nicht, hätten wir keine verlässlichen Jahreszeiten. Denn vor allem dem Mond ist es zu verdanken, dass die Erdachse eine so stabile Neigung von 23,5 Grad hat. Ohne den Mond würde die Erdachse alle paar Millionen Jahre ins Trudeln kommen und kippen – und zwar um bis zu 90 Grad. Deutschland würde dann beispielsweise mal am Äquator in der heißen tropischen Zone liegen, mal unter dem ewigen Eis des Nord- oder Südpols. Hätte die Erdachse keinerlei Neigung, gäbe es keine Jahreszeiten mehr. Wäre die Erdachse hingegen sehr viel stärker geneigt, wären Extremwetter-Ereignisse der Normalzustand. Auch die Gezeiten tragen zur Stabilisierung unseres Klimas bei. Sie treiben Meeresströmungen an, die warmes bzw. kaltes Wasser um den Globus verteilen und unser Klima beeinflussen.


Wie es der Erde ohne Mond ergangen wäre, können wir am Beispiel des Mars sehen: Der wäre eigentlich gar nicht so schlecht geeignet für die Entwicklung von Leben gewesen, was seinen Abstand zur Sonne betrifft. Doch seine beiden Monde sind winzig: Phobos hat rund 25 Kilometer Durchmesser, Deimos sogar weniger als 13 Kilometer. Zu klein, um die Achse des Mars stabil zu halten, weshalb die Mars-Pole alle paar Millionen Jahre komplett an anderer Stelle liegen. Und weshalb es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich auf dem Mars jemals Leben entwickelt hat.

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3 Comments


Du hast sicher recht... Ich kann nur hoffen, dass immer mehr Wissenschaftler die Erkenntnistiefe eines Werner Heisenberg erlangen, der da sagte: Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Wobei für mich mehr sein Wort gilt: Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat.


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Wieder einmal ein schöner Beitrag zur Erhellung von dunklen Wissensecken. Aber was bin ich froh, das nicht wissen zu müssen, um das Leben hier "erleben" und wertschätzen zu dürfen. Woher? Wohin? Diese die Menschheit begleitenden Fragen entsprechen unserem Wesen. Aber ein weiterer Teil ist, das Leben im Jetzt. Das Loslassen der Fragen, die uns vom Eintauchen in das Hier und Jetzt abhalten will genauso kultiviert sein. Denn nur so halten wir die Balance zwischen physischer und geistiger Entwicklung. Erkenntnis gewinnen und einfachem Sein in Raum und Zeit.

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Dagmar
Dagmar
Apr 12
Replying to

Für mich verweben sich beide Arten des Seins: oftmals führt mich das bloße Sein in der Natur zum Staunen und dann eben zum Sinnieren. Was wäre wenn … wenn der Mond nicht wäre?

Mein Vater, ein Naturwissenschaftler durch und durch, hat meine Frage, wozu eigentlich diese ganze Forschung an den Grenzen des Weltalls nutze, folgendermaßen beantwortet: „Erstens weil die Neugierde in der Natur des Menschen liegt. Zweitens weil die Erkenntnisse über unsere Umwelt“, und damit meinte er den ganzen Kosmos, „unser Selbstverständnis prägen und oftmals schon drastisch verändert haben.“

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