Warum Sternbilder nicht gleich Sternzeichen sind

Wenn wir den Sternenhimmel beobachten, warum finden wir Sonne und Mond nicht in den Sternbildern, in denen sie laut Astrologie oder klassischen Mondkalendern eigentlich gerade zu sehen sein müssten?


Der Sternenhimmel als Zifferblatt (Bild: Pixabay)
Der Sternenhimmel als Zifferblatt (Bild: Pixabay)

Der Sternenhimmel ist das Zifferblatt, über welches Sonne und Mond von uns aus gesehen wandern. Dieses Zifferblatt ist – rein technisch betrachtet – der größte Unterschied zwischen astrologischem und astronomischem Blickwinkel auf den Sternenhimmel. Während in der klassischen Astrologie der Frühlingspunkt (21. März) gleichgesetzt ist mit dem Eintritt der Sonne ins SternZEICHEN Widder, steht die Sonne am 21. März tatsächlich erst am Anfang des SternBILDES Fische. Vor gut 2000 Jahren, als die Sterngucker das himmlische Zifferblatt der Astrologie anhand der Sternbilder entwarfen, war das noch anders: Damals gab es noch keinen Unterschied zwischen Sternbildern und Sternzeichen. Der entstand nämlich erst im Laufe der Jahrhunderte. Etwa alle 72 Jahre weicht der tatsächliche Sternenhimmel vom Tierkreis, den die Sterngucker vor 2000 Jahren festgelegt haben, um einen weiteren Grad ab. Und so wächst die Kluft immer weiter, zumindest bis Sternzeichen und Sternbilder in knapp 24.000 Jahren wieder parallel laufen.


Die Erde taumelt wie ein Kreisel (Bild: Pixabay)
Die Erde taumelt wie ein Kreisel (Bild: Pixabay)

Die Erklärung für dieses Phänomen: Die Achse der Erde taumelt wie bei einem sich drehenden Kreisel – in Zeitlupe allerdings, denn für eine Taumel-Runde braucht sie rund 25.800 Jahre. Die Taumel-Bewegung sorgt dafür, dass es zwei Messlatten für die Dauer eines Erdjahres gibt. Misst man die Zeit von Frühlingspunkt bis Frühlingspunkt exakt, dauert ein Jahr 365,2522 Tage und damit etwas kürzer als die Zeitspanne, die die Erde auf ihrem Weg einmal um die Sonne braucht (365,2564 Tage).


Aus Gründen der Zweckmäßigkeit – die Jahreszeiten waren für die Landwirtschaft und damit für die Ernährung der Menschen immer die wichtigere Messlatte – rechnen fast alle Kalender seit Langem mit ersterem Zyklus, der minimal kürzer ist als der exakte Umlauf der Erde um die Sonne. Außerdem teilte man das Jahr der Einfachkeit halber in zwölf etwa gleich große Tortenstücke – sprich Monate bzw. Sternzeichen-Spannen – ein. Ginge es nach den Sternbildern, wäre die Spanne der Jungfrau fast doppelt so lange wie die des Krebses. Und dann gibt es da ja noch ein dreizehntes Sternbild: den Schlangenträger zwischen Skorpion und Schütze. Doch das ist wieder ein anderes Kapitel ...


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