• Dagmar

Wie das Mondrad entstand

Oft werden wir gefragt, wie wir eigentlich drauf kamen, das Mondrad zu bauen. Deshalb gebe ich euch an dieser Stelle einfach mal einen ganz persönlichen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses außergewöhnlichen Kalenders.


Es war im Herbst 2019, als ich die Suche nach einem immerwährenden Jahreskreis, der die Mondphasen ebenso wie die Jahreszeiten und Monate veranschaulicht, aufgab. Das, was ich wollte, war ein Kalender, der mir die Logik hinter den Mondzyklen vermittelt; der mit einfachen Mitteln und ohne elektronischen Firlefanz funktioniert, und den ich außerdem nicht jedes Jahr wegwerfen und neu kaufen muss. Ich wollte einen Mondkalender, bei dem ich den echten Mond beobachten und verstehen lerne. Ich wollte nicht mehr nur dem vertrauen, was in den gängigen Kalendern steht. Ich wollte selbst erkennen, spüren, verstehen, hinterfragen ...

Ich wollte ganz schön viel!

Der erste Prototyp war noch als liegender Tischkalender gedacht: mit der Scheibenkombi Mondphasen/Mondzeichen, die man an einem Stäbchen innen am Jahreskreis herumgedreht hat.
Der erste Prototyp war noch als liegender Tischkalender gedacht: mit der Scheibenkombi Mondphasen/Mondzeichen, die man an einem Stäbchen innen am Jahreskreis entlang gedreht hat.

Es blieb mir nichts anderes übrig, als es selbst zu versuchen. Ich bastelte zuerst mit Pappe und Filz. Nachdem meine allabendlichen Tüfteleien Hans Peters Interesse geweckt hatten, arbei-teten wir gemeinsam weiter mit dem Werkstoff, den er als Schreinermeister bestens kennt: Holz. Da war bereits klar, dass der Kalender rund werden musste. Das Wesen des Zyklischen ist einfach der Kreis. Weil Sonnenjahr und Mondmonate zwei unter-schiedlich lange Zyklen sind, kamen wir auf die Idee, zwei unterschiedlich große Kreise mit unterschiedlichen Zentren zu kombinieren.


Vom liegenden zum Wandkalender: der zweite Prototyp war bereits zum Aufhängen.
Vom liegenden zum Wandkalender: der zweite Prototyp war bereits zum Aufhängen.

Allerdings durchläuft der Mond nicht nur einen, sondern mehrere Zyklen: Auf seiner Wanderung durch die Sternzeichen bzw. -bilder steigt seine Bahnhöhe alle 27,3 Tage auf und wieder ab, und mit den Mondphasen ändert er alle 29,5 Tage sein Gesicht. Es musste also ein weiterer Kreis her.


Die Idee mit der zweifarbigen Mondkugel entstand. Sie dreht sich beim Rollen über die Sternzeichen-Scheibe um sich selbst und zeigt so fließend die aktuelle Mondphase an. Dazu mussten wir nur die gesamte Drehrichtung ändern, sonst wäre der Mond von abnehmend zu voll zu zunehmend gewandert.


Die Frage, die uns viel mehr Kopfzerbrechen bereitete, war: Wo bekamen wir eine solche Kugel her? Monatelang suchten wir im Internet, bestellten Muster, telefonierten, schrieben Mails durch ganz Europa … und wurden schließlich direkt vor unserer Haustür fündig. Ein junger Feinwerksmechanikermeister, keine 20 Kilometer entfernt, drechselte uns die beiden Kugelhälften aus Aluminium („glaubt mir, das ist das beste Metall dafür“) auf den Hundertstel Millimeter genau und schaffte es auch noch, sie nach dem Eloxieren beinahe nahtlos zusammenzusetzen. Das erste Mondrad war fertig!


Anfangs waren die Mondphasen noch halbjährlich zum Nachstellen, dann kam die zweifarbige Mondkugel dazu - und schließlich noch der auf- und absteigende Mond mit den wellenförmig angeordneten Mondzeichen.
Anfangs stellte man die Mondphasen noch halbjährlich nach, dann kam die zweifarbige Mondkugel dazu. Im dritten Prototypen veranschaulichen die nun wellenförmig angeordneten Mondzeichen den auf- und absteigenden Mond ... und schließlich haben wir mit der großen Mondsichel nur noch am Design gefeilt.

Das Mondrad und das damit verbundene Wissen nutze ich beim Gärtnern und beim Ernten der Wildkräuter auf unserer Wiese, aber natürlich hilft es mir auch für ein besseres Verständnis im zwischenmenschlichen Bereich. Mit einem Blick auf die aktuellen Konstellationen von Sonne und Mond kann ich Emotionen besser einordnen, manche Gefühlswallung gelassener hinnehmen und mich und mein Gegenüber schließlich ein wenig tiefer verstehen. Das Wissen um die Einflüsse von Sonne und Mond auf die Natur wächst auch mit meinen Erfahrungen, die ich im Handbuch zum Mondrad festhalte. So entsteht allmählich ein ganz persönlicher Kalender mit zyklischen Daten von meinem Inneren und von der Welt, die mich umgibt.

Außerdem gibt mir der Mond das, was ich in diesen unsteten, unsicheren Zeiten sehr dringend brauche: Halt! Orientierung! Die Sicherheit, dass dort oben am Himmel alles noch in den geregelten Bahnen läuft, die seit Urzeiten bestehen und die auch kein noch so mächtiger Mensch hier unten ändern wird. Wenn ich spazieren gehe, suchen meine Augen mittlerweile ganz von selbst diesen himmlischen Halt. Dank dem Mondrad, das bei uns daheim in der Küche hängt, weiß ich auch immer, wo am Himmel ich suchen muss.

Und weil der Mond auch noch einen weiteren sehr offensichtlichen Zyklus durchläuft, den wir im Mondrad bisher nicht berücksichtigt haben – nämlich den der Erdnähe und Erdferne –, sind wir noch lange nicht fertig mit unserer Entwicklungsarbeit. Glücklicherweise, denn es macht unheimlich viel Spaß, sich mit dem Mond zu beschäftigen.


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