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  • AutorenbildDagmar

Wie wirkt der Mond?

Wie der Mond das Leben auf der Erde beeinflusst, dazu gehen die Meinungen von Wissenschaftlern und Mondkalender-Nutzern oft weit auseinander. Man könnte fast schon von einer Spaltung in zwei Lager sprechen: Je vehementer die einen auf ihrer Meinung beharren, desto vehementer reagieren die anderen mit Ablehnung. Ich finde, es ist dringend an der Zeit, einen Mittelweg zwischen beiden zu finden: Welche von den Mondregeln sind logisch nachvollziehbar? Welche davon beruhen vielleicht auf ganz anderen Grundlagen und sind heute nicht mehr brauchbar? Der Versuch einer Annäherung ...


Ja, der Mond versetzt Wasserberge!

Ebbe und Flut stammen unbestritten von der Gravitationskraft des Mondes, unter dem sich unsere Erde binnen 24 Stunden und 50 Minuten (im Durchschnitt) wegdreht. Etwa alle 14,75 Tage bekommt der Mond Schützenhilfe von der Sonne und die beiden ziehen gemeinsam an dem Strang, der das Wasser der Ozeane regelmäßig zu Flutwellen türmt. Die fallen zu diesen Zeiten entsprechend höher aus.

Verständlich, dass viele Lebewesen an der Küste und im Meer sich im Laufe der Jahrmillionen an den zyklisch wechselnden Wasserspiegel angepasst haben – und diese Umstände sogar für ihre Jagd und ihre Fortpflanzung zu nutzen wissen.


Nein, der Mond zieht weder Putzwasser noch Körpersäfte an!

Dass die Springfluten an manchen Meeresküsten bis zu 16 Meter (in der Bucht von Fundy an der kanadischen Atlantikküste) hoch sein können, bedeutet nicht, dass die Anziehungskraft des Mondes buchstäblich das Wasser aus dem Boden in die oberen Pflanzenteile ziehen kann. Denn die Flutberge sind nur deshalb so enorm, weil sich das Wasser über die gesamte Meerestiefe hinweg ein Stück anhebt – das Wasservolumen, das auf offenem Meer einer Welle von einem Meter entspricht, kann sich an der flachen Küste mehrere Meter hoch türmen.

Würde die Gravitationskraft des Mondes auf die Säfte der Pflanzen und des menschlichen Körpers wirken, dann müsste diese Wirkung zu Neumond UND zu Vollmond etwa gleich stark sein. Vertreter dieser These behaupten aber, dass nur der Vollmond die Säfte nach oben ziehe, während die Säfte bei Neumond in die Erde sinken: ein Beweis dafür, dass – sollten derartige Auswirkungen beobachtbar sein – nicht die Anziehungskraft des Mondes dran schuld sein kann, sondern dass das Mondlicht der mutmaßliche Verursacher ist.


Ja, manche unserer Hormone ticken im Rhythmus der Mondphasen!

Da wäre zum einen mal das Aldosteron, das in den Nebennieren gebildet wird: das Hormon zur Regulation des Wasserhaushaltes wird auch gerne Dursthormon genannt. Außerdem regt es die Nieren dazu an, Salz (Natrium) zu speichern und Kalium auszuscheiden. Spannend ist, dass die Konzentration dieses Hormons im Blut von Männern ausgerechnet im 28-Tage-Rhythmus schwankt. Ob das auch bei Frauen so ist und warum, kann die Wissenschaft noch nicht beantworten. Die Probanden der Studie, bei der man zufällig auf dieses Ergebnis stieß, waren allesamt männlich: Astronauten, die 105 Tage lang probten, wie sich eine salzarme Ernährung auf den Körper auswirkt.

Dass die Länge des weiblichen Menstruationszyklus nicht nur zufällig mit der Länge des Mondphasenzyklus übereinstimmt, davon sind viele Frauen überzeugt. Die Chronobiologin Charlotte Förster hat in ihrer Langzeitstudie erstmals auch einen signifikanten Zusammenhang nachgewiesen. Allerdings scheint der Einfluss der Mondphasen auf den weiblichen Zyklus mit dem wachsenden Einfluss von künstlichem Licht zu schwinden. Laut Förster legt das die Vermutung nahe, dass die weiblichen Hormone früher – als die Menschen noch ohne elektrisches Licht lebten – sehr viel stärker an die Mondphasen gekoppelt waren, die einst unserem Nachtleben einen monatlichen Rhythmus bescherten.


Nein, Frauen bluten nicht immer zu Neumond!

Manche Zyklen werden durch exogene Reize (von außen) gesteuert, andere durch endogene Prozesse im Inneren unseres Körpers. Viele jedoch nutzen beide Steuerungen, sodass der Rhythmus erhalten bleibt, selbst wenn der äußere Reiz als Taktgeber dafür zeitweise nicht vorhanden ist. Das Licht des Vollmondes als Taktgeber ist angesichts der vielen künstlichen Lichtquellen in der Nacht längst kein starker Reiz mehr. Gut möglich, dass so die Wirkung des Mondlichts langfristig abgeschwächt wird und den Mondeinfluss immer mehr verwischt. Die Studie der Chronobiologin Charlotte Förster zeigte die Tendenz, dass Frauen in der Großstadt – unter Dauer-Lichteinfluss – im Vergleich zum Mondphasen-Rhythmus einen kürzeren Menstruationszyklus haben.

Und wie sieht es nun mit steigenden Geburtenraten zu Vollmond aus? Meine Nachfragen bei diversen Hebammen ergaben vor allem eine steigende Geburtenzahl bei heftigen Wetterumschwüngen. Nach meiner kleinen Statistik, die ich über die von mir gestalteten Geburtsmonde führe, werden bei zunehmendem Mond doppelt so viele Kinder geboren wie bei abnehmendem ... Erklären kann ich mir diesen Sachverhalt aber (noch) nicht.


Ja, das Mondlicht hat eine Wirkung aufs Pflanzenwachstum!

Zurück zur Mondwirkung auf Pflanzen: Auch wenn es nicht die Gravitationskraft sein kann, welche die Pflanzensäfte hebt und senkt, so scheint doch das Mondlicht eine Wirkung auf alles zu haben, was sich von Licht ernährt. Pflanzen betreiben Photosynthese und gewinnen daraus ihre Energie, die sie wachsen lässt. So wie das Schlafverhalten des Menschen durch das Hormon Melatonin gesteuert wird, haben auch die Pflanzen ein Enzym, das die Photosyntheseleistung hemmt, sobald zu wenig Licht vorhanden ist. Die Pflanzen reagieren dabei nicht nur aufs Sonnenlicht, sondern unter Umständen auch auf den Mond. Verlängert bzw. erhellt sein Licht die Abend-Dämmerung, was immer beim zunehmenden Mond im zweiten Viertel der Fall ist, dann bleiben die Pflanzen entsprechend länger aktiv.

Die Auswirkungen dieses lunaren Rhythmus kann man nachverfolgen, wenn man die Wurzelknollen beispielsweise von Roter Beete oder die Wurzeln des Löwenzahn aus der Erde zieht und quer durchschneidet: die Wurzeln haben Wachstumsringe ähnlich den Baumstämmen. Allerdings können diese Wachstumsringe nicht vom Jahreszeitenwechsel kommen, da Rote Beete z.B. nur einige Monate lang wächst. Folglich müssen die Ringe von monatlichen Einflüssen stammen. Eine Studie dazu habe ich zwar noch nicht gefunden, aber ich kann mir nur die Mondphasen als Verursacher einer solchen Regelmäßigkeit vorstellen.


Nein, Mondzeichen steuern weder das Haarwachstum noch das der Fingernägel!

Die traditionelle Regel, mann solle nur zum "wachsenden Löw" die Haare schneiden, wird meiner Meinung nach in den neuen, gängigen Mondratgebern einfach falsch interpretiert. Der Mond im "wachsenden Löw" – also zum Mondzeichen Löwe und außerdem zunehmender Mond: das trifft nur ein halbes Jahr lang monatlich ein, und zwar von März bis August in den Frühlings- und Sommermonaten. Wenn das Wetter warm bis heiß war und man draußen auf dem Feld schwitzte, waren kurze Haare einfach besser für die Belüftung und außerdem leichter zu handhaben im Umgang mit Ungeziefer. Im Herbst und Winter, wenn es kalt wurde, war eine ordentliche Mähne auf dem Kopf hingegen sinnvoll, weil sie warm hielt. Das Haarschneiden zum wachsenden Löw hat also vielmehr etwas mit der Jahreszeit zu tun als mit der Tagesqualität.

Ähnlich verhält es sich mit der Regel, dass Fingernägel am längsten ordentlich bleiben, wenn sie freitags zu Sonnenuntergang geschnitten werden. Das ist weder eine Mondregel noch hat sie sonstwie mit überirdischen Mächten zu tun: Sie kommt einfach daher, dass die Bevölkerung früher am Wochenende die Handarbeit auf dem Feld und im Garten weitgehend ruhen ließ. Klar, dass die Fingernägel dann zwei Tage länger sauber blieben!

Nebenbei bemerkt: Die Qualität unserer Nahrung und unseres Schlafes halte ich für viel entscheidender als die Mondzeichen, was die Mähne auf unseren Köpfen und die Nägel an unseren Fingern angeht.


Ja, im Durchschnitt schlafen wir weniger bei Vollmond!

In den vergangenen Jahren beschäftigten sich viele Wissenschaftler mit der Frage, ob der Vollmond uns tatsächlich schlechter schlafen lässt. Die Ergebnisse werden immer eindeutiger: Bei Vollmond brauchen die Probanden länger zum Einschlafen, die Schlafdauer ist kürzer und auch die Tiefschlafphasen sind weniger. In einer groß angelegten Studie mit Hunderten von Testpersonen in der Großstadt Seattle ebenso wie auf dem Land und in indigenen Gemeinschaften wiesen Forschende der Universität Washington nun nach, dass selbst Menschen in der Großstadt mit durchschnittlich elf Minuten weniger Schlaf pro Nacht auf den Vollmond reagieren. In den indigenen Dörfern ohne elektrisches Licht war es sogar über eine halbe Stunde!


Nein, der Mond wirkt nicht durch seine elektromagnetische Strahlung auf uns!

Der Mond hat gar kein inneres, globales Magnetfeld wie die Erde, deshalb kann da auch nichts auf uns wirken. Maximal ein paar Flecken auf seiner Oberfläche besitzen ein dementsprechend kleines Magnetfeld, das die Wissenschaftler derzeit auf Asteroiden-Einschläge zurückführen und das uns Erdbewohner nicht tangiert.


Ja, der Mond beeinflusst Erdbeben und das Wetter!

So wie die Gravitationskraft des Mondes die Gezeiten erschafft, so zieht diese Kraft auch am Festland und an der Atmosphäre. Das Festland wird dabei um maximal 40 Zentimeter angehoben: Damit ist der Mond zwar kein Verursacher von Erdbeben, aber er kann zusammen mit der Anziehungskraft der Sonne (die etwa ein Drittel von der des Mondes beträgt) offenbar die Stärke von Erdbeben beeinflussen.

Ebenso schieben Mond und Sonne die Atmosphäre zu einer Beule auf. Damit kommen zu Voll- und Neumond mehr Luftmassen auf dem Teil der Erde zu liegen, über dem Sonne und Mond gerade im Zenit bzw. im Gegen-Zenit stehen: Der Luftdruck in diesen Regionen steigt, was höhere Temperaturen zur Folge hat. Wärmere Luft kann mehr Wasser speichern, also regnet es in dieser Zeit vergleichsweise weniger. Entsprechend stärker fallen die Niederschläge allerdings wenige Tage nach Voll- und Neumond aus – vorausgesetzt, es befindet sich gerade viel Feuchtigkeit in der Luft.

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