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Die Planeten, ihre Zyklen und ihre Bedeutung

Venus gilt laut Astrologie als der Planet der Liebe, Mars als der des Krieges und Jupiter ist der große Beschützer. Woher kommen diese Zusammenhänge eigentlich? Haben sich die Astrologen die Bedeutungen der Planeten irgendwann einmal aus den Fingern gesogen? Sind sie frei erfunden? Oder gibt es da tatsächlich Erklärungen dafür? Eine spannende Reise in die Geschichte der Erforschung unseres Sonnensystems.


MERKUR

Der kleinste und der Sonne nächste Planet braucht gerade mal 88 Erdtage für seinen Weg rund um die Sonne. Damit ist er eins der schnellsten Geschosse in unserem Sonnensystem: in einer Sekunde legt er 47 Kilometer zurück! Kein Wunder, dass er mit dem flitzenden Götterboten in Verbindung gebracht wurde. Merkur ist der Planet der Kommunikation. Seine Nähe zur Sonne ist vergleichbar mit der Nähe des mythologischen Götterboten zu den mächtigsten Göttern.



VENUS

Die Venus ist nach Sonne und Mond das hellste Gestirn an unserem Himmel. Ob die giftige Atmosphäre und die heißen Temperaturen der Venus wirklich so verführerisch sind wie die namensgebende Göttin, wenn wir diesen Planeten aus der Nähe betrachten könnten? Vermutlich verknüpfen wir die Venus seit jeher mit Romantik und Schönheit, weil sie eben nur in den Morgen- oder Abendstunden am Himmel zu sehen ist. Dann nämlich, wenn die Sonne den Horizont küsst und alles in warmes rotes Licht taucht. Dann, wenn Himmel und Erde einander treffen. Eine solche Begegnung kann Liebe säen ... aber auch Streit! Für die Maya beispielsweise war Venus der Planet, der Unheil und Krieg brachte – besonders wenn sie nach ihrer Wanderung zwischen Sonne und Erde hindurch schließlich wieder am Morgenhimmel zu sehen ist. Mit der Umlaufzeit der Venus von 225 Erdtagen kommt das allerdings nur ein- bis zweimal im Jahr vor. Weil die Umlaufbahn der Venus innerhalb jener der Erde liegt, befindet sich die Venus übrigens immer in Sonnennähe am Himmel. Im Horoskop kann sie maximal eineinhalb Zeichen von der Sonne entfernt stehen.



MARS

Sein roter Schein erinnert an Blut, Feuer und Zerstörung. Die Chaldäer veranlasste das schon vor 3000 Jahren, ihn zum Krieg bringenden Planeten zu erklären. Auch die seltsamen Schleifen oder Rückwärtsbewegungen fielen ihnen auf, die der Mars von der Erde aus gesehen macht, weil er der erste Planet außerhalb ihrer Umlaufbahn um die Sonne ist. Wegen dieser Bewegungen nannten die Chaldäer den Mars "Nirgal" oder "Nergal", was soviel bedeutet wie "der Springende" oder "Stampfende", und fanden ihn ziemlich unheimlich.

687 Erdtage, also fast zwei Erdjahre braucht der Mars für seinen Weg um die Sonne. Von der Erde ist er im Minimum 56 Millionen Kilometer entfernt – ein wenig weiter als die Venus mit mindestens 40 Millionen Kilometern. Trotzdem scheint immer mal wieder Mars-Staub in der Erdatmosphäre zu landen, während wir von der Venus nichts abbekommen. Eine Grenzüberschreitung, die gut zum Namenspatron unseres Nachbarplaneten passt.



JUPITER

Täglich prasseln etwa 75 Millionen Brocken aus dem Weltall auf die Erde ein. Sie sind üblicherweise so klein, dass sie als Sternschnuppen verglühen, bevor sie den Erdboden treffen können. Dass die Erde von größeren Einschlägen bisher meist verschont geblieben ist, hat sie dem Jupiter zu verdanken. Der größte und bei weitem massereichste Planet in unserem Sonnensystem zieht mit seiner Schwerkraft fast alle großen Brocken heraus aus dem Gefahrenbereich rund um die kleine Erde. Er ist vermutlich auch der Grund, warum sich aus dem Asteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars kein weiterer Planet entwickeln konnte.

Für die Erde ist Jupiters Einfluss zumindest bisher ein Segen. Denn Zusammenstöße mit Asteroiden oder Kometen könnten einen großen Teil des Lebens auf der Erde auslöschen. In dem dank Jupiter gut aufgeräumten Sonnensystem ist diese Gefahr wesentlich geringer.

Die schützende Hand passt zu Jupiters astrologischer Bedeutung als Glücksbringer. Ob die chinesische Astrologie sich deswegen so stark an seinem Zyklus orientiert? In China steht jedes Jahr unter einem von zwölf Tierkreiszeichen (die den unseren allerdings nicht gleichen). Jupiter braucht etwa zwölf Erdjahre für eine Sonnen-Umrundung; jedes Jahr wechselt er also in ein neues Tierkreiszeichen. Mit diesem Zwölf-Jahres-Rhythmus eignete er sich früher sehr gut, um anhand der Himmels-Uhr das Lebensalter eines Menschen nachvollziehen zu können: Sobald der Jupiter wieder im selben Zeichen wie zur Geburt eines Menschen stand, konnte man davon ausgehen, dass dieser Mensch (mit 12) nun bald geschlechtsreif sein würde, (mit 24) nun im Erwachsenenleben angekommen sein würde, (mit 36) als Frau bald in die Menopause kommen würde, (mit 48) nun zu den Alten und eventuell Weisen gehören würde. So wurde dem Jupiter schließlich die Entwicklung und das Reisen (zu sich selbst) zugeschrieben.



SATURN

Lange Zeit galt er als der Grenzwächter, als der äußerste Planet unseres Sonnensystems. Der letzte, den man mit bloßen Augen noch gut erkennt. So ein Grenzwächter ist streng und lässt so schnell keinen über seine Schwelle. Daher rührt vielleicht die astrologische Bedeutung Saturns, die mit Disziplin und Strenge zu tun hat. Fast 30 Erdjahre braucht er für seinen Weg einmal um die Sonne. Und auch das passt zur Strenge, zum Bilanzieren des astrologischen Saturn: Mit 30 Jahren blicken wir Menschen oft erstmals zurück auf das Erreichte. Falls Kurskorrekturen nötig sind, zeigt sich das spätestens jetzt in den Bereichen, in denen man sein Leben selbst in die Hand zu nehmen hat: in der Berufswahl und in der Wahl des Partners.



URANUS

Am 13. März 1781 entdeckte Friedrich Wilhelm Herschel – eigentlich Musiker – den Planeten Uranus mithilfe eines Teleskops, das er selbst entwickelt hatte. Herschels Leben bekam durch diese Entdeckung eine abrupte Wende: er wurde Astronom. Ähnlich aufgewirbelt wurde die astronomische Weltordnung durch die Entdeckung des drittgrößten Planeten unseres Sonnensystems, das nun plötzlich nicht mehr direkt hinter der Saturn-Umlaufbahn endete. Uranus, der astrologische Planet des abrupten Wechsels, der die Welt ins kreative Chaos stürzt, ist auch astronomisch ein bisschen verrückt: Als einziger Planet in unserem Sonnensystem dreht er sich seitwärts um die eigene Achse. Sein Äquator steht fast im rechten Winkel zu seiner Umlaufbahn und die Sonne dadurch manchmal direkt über seinen Polen. Wie die Venus dreht sich Uranus zudem von Ost nach West und damit andersherum als die anderen Planeten im Sonnensystem.

Auf seiner Umlaufbahn einmal um die Sonne ist Uranus 84 Erdjahre unterwegs: also ungefähr so lang wie ein Menschenleben in unserer modernen Zeit. Mit seiner Entdeckung hatte die Astrologie nun auch einen Zeitmesser zur Hand, der diese Spanne widerspiegelt – und außerdem mit seinem Wechsel alle sieben Jahre in ein neues Sternzeichen auch für die magischen Siebenjahres-Schritte steht.



NEPTUN

Dass Neptun existiert, errechneten die Astronomen erst, bevor sie ihn dann endlich 1846 erspähten. Entsprechend wenig weiß man über Neptun. Auf den Bildern erscheint er blau, weshalb er vermutlich den Namen vom Gott des Meeres erhielt. Doch bei minus 220 Grad kann von Wasser keine Rede mehr sein. Neptun ist ein Gasriese, der 165 Erdjahre einmal rund um die Sonne braucht. Weil er so weit weg ist, bekommt er nur 1/900 der Sonnenenergie ab, die auf die Erde fällt. Trotzdem strahlt Neptun 2,7 mal mehr Energie ab, als er von der Sonne empfängt. Der Planet bezieht also noch irgendwoher Energie oder produziert sie selbst. So genau weiß man das nicht ... genauso verschwommen ist der Neptun übrigens in der Astrologie.



PLUTO

Bis zum 24. August 2006 galt Pluto als das Schlusslicht in unserem Sonnensystem, doch dann wurde ihm der Planeten-Status von der Internationalen Astronomischen Union (IUA) aufgrund einer neuen Definition des Begriffs aberkannt. Seither ist er ein Zwerg-Planet, also nicht mehr als ein großer Asteroid. Ob er uns das mal übel nimmt, der Gott der Unterwelt, der laut Astrologie über nicht weniger als das Schicksal einer ganzen Sippschaft oder gar Gattung bestimmt? Diese Bedeutung hat vielleicht mit seiner Grenz-Position am Rande unseres Sonnensystems zu tun – oder auch mit seiner extrem langen Umlaufbahn. Bis er einmal um die Sonne rum ist, vergehen auf der Erde 248 Jahre – eine Zeitspanne, in der tatsächlich das Schicksal einer ganzen Gattung besiegelt werden kann!

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