Die natürliche Zeit zum Fasten

Aktualisiert: 15. Feb.

Viele setzen beim Fasten auf den Mond. Bei abnehmendem Mond sei die beste Zeit zum Entschlacken, heißt es in den gängigen Mondkalender-Ratgebern. Doch neben dem Mond spielt vor allem die richtige Jahreszeit eine Rolle. Und die ist nicht nur für Christen im Februar und März.


Wenn es nach dem Christentum geht, beginnt die Fastenzeit mit dem Aschermittwoch, und der liegt übrigens fast immer im ersten, zunehmenden Viertel des Mondphasen-Zyklus. Für viele Mondkalender-Nutzer passt das überhaupt nicht zusammen, denn sie schwören auf das Fasten bei abnehmendem Mond.

Warum? Eine mögliche Erklärung ist das Wasser: Wenn unsere Körper ähnlich wie die Samen einiger Pflanzen und auch die Bäume ticken, lagern wir zum Vollmond hin tatsächlich mehr Wasser ein, welches bis zum Neumond wieder vermehrt abgegeben wird. Das könnte daran schuld sein, dass wir zum Vollmond hin scheinbar an Gewicht zulegen, während wir zum Neumond hin Gewicht verlieren. Der Blick auf die Waage motiviert dann natürlich!

Aber ob das Fasten bei abnehmendem Mond tatsächlich leichter fällt? Für mich spielt bei diesem Thema der weibliche Zyklus eine größere Rolle: die Zeit nach dem Eisprung ist vergleichbar mit dem abnehmenden Mond. Früher gab es zwischen beiden Zyklen höchstwahrscheinlich eine direkte Verbindung. Aber heute – mit dem immer verfügbaren elektrischen Licht und der Strahlung von diversen Bildschirmen – zeigt sich dieser Zusammenhang längst nicht mehr so stark.


Wer sich an den keltischen Regeln orientieren will, beginnt das Fasten nach dem Februar-Vollmond. Denn um diese Zeit feierten unsere Vorfahren Imbolg. Der Name dieses Festes stammt aus dem Altirischen und bedeutet soviel wie „Rundum-Waschung“. Bei den Römern hatte der Februar übrigens eine ähnliche Bedeutung: Februa ist die lateinische Bezeichnung für Reinigungsopfer. Und auch bei den Christen dreht sich Maria Lichtmess um ein ähnliches Thema: 40 Tage nach der Geburt des Gottes-Sohnes geht die Weihnachtszeit nun definitiv zuende, und die junge Gottesmutter gilt nun wieder als „rein“.

Dementsprechend standen zu Imbolg Reinigungszeremonien auf dem Programm. Aber laut Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl war es auch "eine ausschweifende Fruchtbarkeitsorgie mit viel Spaß, unsinnigem Treiben, Fressen und Saufen" (Storl in "Die Pflanzen der Kelten", Knaur 2000). Die Natur wurde mit viel Tohuwabohu aus dem Winterschlaf geweckt. Weil die Menschen wussten, dass der Frühling und mit ihm die frische Nahrung nicht mehr fern war, konnten sie zu diesem Fest getrost alle Vorräte verputzen, die ohnehin zu verderben drohten.


Danach kam das Fasten. Nicht frei gewählt, wie wir das heute hin und wieder zu tun pflegen, sondern zwangsläufig vom Lauf der Natur diktiert. Gejagt wurde jetzt nur noch in Notfällen. Und selbst dann durften nur männliche Tiere geschossen werden, die kein Rudel anzuführen hatten. Die Rehe und Hirschkühe standen unter dem Schutz der Brigid, denn sie trugen das neue Leben in sich. Also: kein Fleisch mehr! Die Früchte und Samen vom Herbst waren inzwischen aufgegessen oder vergammelt. Also auch kaum mehr Kohlenhydrate.


Wie immer bei den natürlichen Rhythmen, passt alles perfekt zusammen: In Zeiten des Nahrungsmangels greift das Recycling-Programm des Körpers, die sogenannte Autophagie, besonders gut. Dabei werden fehlerhafte Proteine oder andere beschädigte Zellstrukturen abgebaut und der Stoffwechsel kann sich nach der schweren, eiweiß- und kohlehydratreichen Winterkost mühelos auf die leichtere, frische Frühlings- und Sommernahrung umstellen. Was sich über den Winter an Abfall im Körper angesammelt hat, wird nun wieder ausgespült. Mit Wasser, unserem Lebenselixier! Es ist die regionale Nahrungsquelle, die jetzt im Februar am reichlichsten vorhanden ist.



Wenn der Februar-Vollmond spät im Monat stattfindet, passt auch das Mondzeichen perfekt zum Fasten: Denn in der Zeit, wenn die Sonne durchs Zeichen Fische wandert, steht der Vollmond zwangsläufig im gegenüberliegenden Zeichen Jungfrau. Und dieses Zeichen steht für … genau: Reinigung! In diesem Jahr wäre das erst am 18. März. Danach produziert die Natur bald schon wieder die gesunden Frühlingskräuter mit ihrem hohen Bitterstoff-Anteil, die Schlacken lösen und den Stoffwechsel ankurbeln. Löwenzahn, Giersch, Brennnessel (um nur die bekanntesten und häufigsten Wildkräuter zum Entschlacken zu nennen) passen gut in einen reduzierten, gesunden Ernährungsplan und eignen sich perfekt für einen Smoothie oder auch als Spinat oder Salat.


Was die Länge des Fastens betrifft: Nicht übertreiben! Man muss nicht die 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostern durchhalten. Ein Mondzyklus reicht. Denn so lange dauert es für gewöhnlich, um alte Gewohnheiten loszulassen und neue zu etablieren.

85 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen