Mit dem Mond verbunden

Hat der Mond Einfluss auf den Menstruationszyklus der Frau? Forscher von der Uni Würzburg haben diesen Zusammenhang nun mit wissenschaftlichen Methoden unter die Lupe genommen. Ihre Ergebnisse sprechen für solch einen Einfluss. Ein Gespräch mit der Chronobiologie-Professorin Charlotte Förster, der Leiterin der Studie.

Charlotte Förster (Foto: Daniel Peter/Uni Würzburg)

In Ihrer Studie haben Sie einen Zusammenhang von Mondzyklen und Menstruationszyklen entdeckt. Wie sieht der aus?

Nachdem der Menstruationszyklus von Frauen ähnlich lang ist wie der Mondzyklus mit seinen rund 29,5 Tagen, lag der Verdacht nahe, dass es bei ihnen einen Zusammenhang gibt. Wir haben nun herausgefunden, dass bei vielen Frauen die Menstruation zeitweise über Jahre und mehrfach hintereinander an den Mond gekoppelt ist – aber nie in einem konstanten Verlauf über die gesamten Menstruationszyklen hinweg. Diese Koppelung passiert wirklich nur zeitweise.

Was bedeutet „zeitweise“?

Nicht alle Frauen folgen dem Wechsel von Hell und Dunkel am nächtlichen Himmel – und wenn, dann normalerweise nur über gewisse Zeiträume. Im Durchschnitt verläuft bei Frauen unter 35 Jahren die Menstruation in knapp einem Viertel der aufgezeichneten Zeit synchron mit dem Voll- oder Neumond. Bei Frauen jenseits der 35 ist das durchschnittlich nur noch in knapp einem Zehntel der Zeit der Fall.

Sie haben nicht nur Kopplungen der Menstruation an Neu- und Vollmond beobachtet, sondern auch an die anderen Mondzyklen: an die maximale und minimale Entfernung des Mondes von der Erde, und an die Bahnhöhe des Mondes.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass alle drei Mondzyklen das Einsetzen der Menstruation beeinflussen. Das nächtliche Mondlicht scheint dabei der stärkste Taktgeber zu sein, aber die Gravitationskräfte des Mondes wirken sich ebenfalls aus. In den zweiten Hälften der Jahre 1961, 1979, 1997 und 2015 waren die Menstruationszyklen von sieben von neun Frauen synchron mit dem Wechsel von Voll- und Neumond. Dieses Intervall von 18 Jahren entspricht exakt dem Rhythmus, in dem sich die drei Mondzyklen zu ganz besonderen Konstellationen kombinieren. Solche Konjunktionen könnten den Einfluss des Mondes als Taktgeber verstärken.

Wieso ist denn da früher keiner drauf gekommen?

Es gibt schon Studien, die auf die gleichen Ergebnisse gekommen sind, aber denen hat man nicht so ganz getraut, weil viele andere Studien keinen Zusammenhang zwischen den Mondzyklen und der Menstruation gefunden haben. Der Grund für diese Differenzen könnte in einer unterschiedlichen Vorgehensweise liegen. Die Studien, die tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Mondzyklen und Menstruation gefunden haben, selektierten die Frauen vorher und nahmen nur diejenigen in die Studie auf, die tatsächlich eine Zykluslänge von 29,5 Tagen hatten – die der Zykluslänge der Mondphasen entspricht. Bei diesen Frauen trat die Menstruation tatsächlich signifikant häufiger bei Vollmond auf. Das passt zu unserer Studie, denn wir haben die Synchronisation ja nur zeitweise gefunden und vor allem dann, wenn die Zykluslänge zwischen 27 und 32 Tagen lag. Dies war vor allem bei jüngeren Frauen der Fall, denn im Laufe des Lebens verkürzte sich bei allen Frauen die Zykluslänge. Vor der Menopause lag sie teilweise bei 24 Tagen und wir haben keine Synchronisation auf den Mond mehr gesehen.

Warum ist die Menstruation ausgerechnet zu Vollmond häufiger? Können Sie sich einen Reim darauf machen?

Die Studie zum Schlafverhalten in Zusammenhang mit dem Mond, die zeitgleich mit der unseren veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass gerade die Menschen aus indigenen Gesellschaften in Argentinien, die noch mit verhältnismäßig wenig künstlichem Licht leben, zu den Zeiten um Vollmond fast eine halbe Stunde weniger pro Nacht schlafen. Und selbst die Studenten aus Seattle, die in der Großstadt leben, schlafen in diesen Nächten um Vollmond durchschnittlich 11 Minuten weniger. Als man die Menschen aus Argentinien noch weiter nach ihren Gewohnheiten fragte, erzählten sie, dass sie um Vollmond herum abends einfach viel aktiver seien.

Das bedeutet?

Ich kann mir vorstellen, dass das Schlafverhalten ein Erbe aus der Steinzeit ist: In den hellen Nächten rund um Vollmond waren die Menschen mit Jagen oder Sammeln beschäftigt. Stockfinstere Nacht war damals sehr gefährlich für die Menschen, zur Neumondzeit blieb man besser zusammen in der Höhle. Für die Fortpflanzung könnte es also von Vorteil gewesen sein, wenn die Frauen genau zu dieser Zeit fruchtbar waren. Auch aus der Antike gibt es Aufzeichnungen, die darauf hinweisen, dass der Zyklus der Frau damals noch synchron mit dem Mondzyklus war. Moderne Lebensgewohnheiten und künstliches Licht könnten diesen Gleichtakt mit dem Mond heute weitgehend verändert haben.

Bei Ihrer Studie sind die Kopplungen von Menstruation und Mondphasen individuell sehr unterschiedlich. Liegt das an den jeweiligen Lebensgewohnheiten?

Eine Frau hatte immer um Vollmond herum über sieben Jahre hinweg ihre Tage. Diese Frau gehörte zu den Frauen, die auf dem Land gelebt haben und eher keine Nachtschwärmer waren. Im Vergleich Stadt – Land habenwir festgestellt, dass die Frauen in der Stadt eher kürzere Zykluslängen hatten. Aber bitte Vorsicht: Das ist nur ein erster Hinweis, dass elektrisches Licht einen Einfluss haben könnte. Ich möchte nicht sagen, dass alle Frauen in der Stadt einen kürzeren Zyklus haben. Noch haben wir nicht genügend Aufzeichnungen von Frauen über einen längeren Zeitraum hinweg, um sicher zu sein.

Im Gleichtakt mit dem Mond (Foto: Gerd Altmann auf Pixabay)

Viele andere Studien streiten den Mondeinfluss auf den weiblichen Zyklus ab. Warum haben Ihre Untersuchungen etwas anderes ergeben?

Es gibt aktuelle Studien, die mithilfe von Handy-Apps gemacht wurden. Bei der letzten, die ich gefunden habe, wurden die Daten von 1,7 Millionen Frauen ausgewertet. Das ging natürlich über alle Altersgruppen und alle Regionen hinweg und selektierte auch nicht nach jeweiliger Zykluslänge der Frauen. Wir haben zwar bei weitem nicht so viele Frauen untersucht. Aber wir haben bei den 22 Frauen in unserer Studie deren Zyklen über viele Jahre hinweg betrachtet.

Über 32 Jahre hinweg!

Eine Frau hatte ihren Zyklus so lange dokumentiert, ja. Die anderen Frauen mindestens über fünf Jahre hinweg, und einige mehr als 20 Jahre lang.

Vor zehn Jahren haben Sie diese Studie begonnen. Warum?

Das war anfangs eher ein Hobby. Ich bin Chronobiologin und mich interessieren die Zusammenhänge des Lebens mit den verschiedenen Rhythmen, die auf der Erde herrschen. Tagesrhythmen, Jahresrhythmen und natürlich auch Monatsrhythmen kommen auf der Erde vor und beeinflussen uns. Aber Studien an Jahres- und Monatsrhythmen kann man im normalen Forscherleben kaum machen. Die dauern einfach zu lange und führen nicht zu schnellen Ergebnissen, die man heutzutage braucht, um als Forscher zu überleben. Deshalb habe ich die Forschung zu den Mondzyklen und dem weiblichen Zyklus nebenher gemacht, einfach aus Interesse. Nachdem die Ergebnisse dann so interessant waren, habe ich beschlossen, ich publiziere die Studie.

Ein Hobby – richten Sie sich im Alltag nach den Mondphasen?

Nein (lacht). Ich arbeite mit inneren Uhren, die den Tag-Nacht-Zyklus steuern. Und da auch nicht beim Menschen, sondern bei der Taufliege.

Haben Sie daheim einen Mondkalender?

Ich gehöre nicht zu den Mondanhängern!

Von Haareschneiden bei bestimmten Mondzeichen beispielsweise halten Sie also nichts …

Eher nicht.

Laut Ihrer Studie ist der Mondeinfluss aber nicht zu leugnen. Welche Wirkung trauen Sie dem Mond zu?

Zum einen eben die Wirkung aufs Fortpflanzungsverhalten: Mehrere ältere Studien zeigen, dass Frauen, deren Zyklen im Gleichtakt mit dem des Mondes schwingen, die höchste Wahrscheinlichkeit haben, schwanger zu werden. Zwei große Längsschnittstudien weisen eine signifikante Korrelation zwischen Geburtenrate und Mondphase nach, mit einem leichten Anstieg der Geburtenrate bei Vollmond und einer entsprechenden Absenkung zu Neumond. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Geburten bei Vollmond eher in der Nacht stattfinden und bei Neumond eher tagsüber. Wir kennen auch viele Tierarten, bei denen das Fortpflanzungsverhalten mit dem Mondzyklus synchronisiert ist, um so den Fortpflanzungserfolg zu erhöhen. Außerdem legen die Ergebnisse von früheren und der eben veröffentlichten Studie aus Seattle eine Wirkung des Mondes aufs Schlafverhalten nahe. Weiter gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Stimmungswechsel von manisch-depressiven Patienten mit den Mondphasen.

Wollen Sie Ihre Studie weiterführen?

Ja, das würde ich sehr gerne. Bisher habe ich ja nur die Zyklen von 22 Frauen untersucht, die mit Sicherheit noch kein repräsentatives Bild ergeben. Ich hoffe noch auf mehr Daten. Vielleicht gibt es ja noch mehr Frauen, die ihren Zyklus über mehrere Jahre hinweg aufgezeichnet haben.

Wenn jetzt also Frauen, die ihren Zyklus über mehrere Jahre hinweg dokumentiert haben, Interesse haben mitzumachen, dürfen die sich an Sie wenden?

Dürfen sie, ja. Am besten per Mail an charlotte.foerster@biozentrum.uni-wuerzburg.de.

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